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Mamacita

Grande Dame und Oma für alle

Der junge Filmemacher Jose Pablo Estrada Torrescano dokumentiert das dramatische Leben seiner 96-jährigen Großmutter, die einst als ungewolltes Kind zur Welt kam und später ein Schönheitsfarm-Imperium aufbaute.

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Wenigen Dokumentarfilmen gelingt es, ihre Geschichte so dicht an der Realität zu erzählen, dass beim Publikum die Grenze zwischen Leinwand und Außenwelt verschwimmt. In MAMACITA dokumentiert der junge Filmemacher Jose Pablo Estrada Torrescano das Leben seiner 96-jährigen Großmutter. Als Gründerin eines Schönheitsfarm-Familienimperiums ist María del Carmen Torrescano im Alter wohlhabend und wird von ihren treuen Bediensteten rund um die Uhr versorgt. Aber ihr Leben lang fühlt sich Mamacita gestraft: Im tief religiösen Mexiko wurde sie aus einer inzestuösen Beziehung als ungewolltes Kind geboren. Diese wahrlich tragische Geschichte birgt bei all ihrer Exzentrik – Kitsch und Schönheitswahn der Grande Dame werden filmisch grandios eingefangen – dennoch viel Identifikationspotential und wirft Fragen auf, die einen noch lange beschäftigen: Warum vermisst Mamacita ihren Großvater, der als Kind so hart mit ihr umgesprungen ist? Warum würde sie heute ihre Kinder nicht mehr schlagen, trotzdem aber im Nachhinein nichts anders machen? Wie lässt sich ihr Stolz über das hart aufgebaute Leben mit der Aussage vereinbareb, nie gelebt und nie geliebt zu haben? Auch wenn die Themen Tod, Alter und Familie in ihren bedrückendsten Facetten allgegenwärtig sind, verpasst der Dokumentarfilm keinen Moment des Augenzwinkerns, der Leichtigkeit und der Wärme. Er nimmt Mamacita wie sie ist: eitel und antiquiert, aber auch lernfähig und aufmerksam gegenüber den Bemühungen ihres Enkels. Denn dem hat sie schließlich das Versprechen abgenommen, einen Film über ihr Leben zu drehen. Damit die Welt erfährt, welche Frau aus dem armen kleinen Mädchen geworden ist, wie es Mamacita selbst zu Beginn des Films einfordert. Der Film honoriert das Erlebte der ältesten noch lebenden Generation, und führt Jüngeren vor Augen, welchen sozialen Freiheiten bis heute für sie erkämpft wurden. 

Anna Hantelmann

Details

Mexiko 2018, 75 min
Sprache: Spanisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: José Pablo Estrada Torrescano
Drehbuch: José Pablo Estrada Torrescano
Verleih: Real Fiction Filmverleih
Kinostart: 27.06.2019

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