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Making Montgomery Clift

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MAKING MONTGOMERY CLIFT beantwortet nicht alle Fragen über Montgomery Clift, aber das versucht der Regisseur und Neffe des Schauspielers Robert Clift auch gar nicht. Er stellt vor allem Gewissheiten in Frage und kämpft mit großer Bewunderung für seinen Onkel für dessen Reputation.

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„Heroes don’t come easy“ sangen R.E.M. über Montgomery Clift. “Monty Clift is recognized at dawn/He ain't got no shoes and his clothes are torn” war die Vision des späten Montgomery Clift im Song “The Right Profile” von The Clash. Der junge Monty war Teenager-Idol und geheimnisvoller Hollywood-Superstar. Nach seinem Tod wurde er zur melancholischen Ikone, zum „Beautiful Loser“ aber auch zu einem Helden der Schwulenbewegung und Gegenkultur.
Das Image von Montgomery Clift ist vor allem von den Biografien von Robert LaGuardia und Patricia Bosworth geprägt. Beide erzählen mehr oder weniger die gleiche Geschichte: Clift haderte Zeit seines Lebens mit seiner Homosexualität, was ihn schließlich in die Depression trieb. Nach einem Autounfall 1956, bei dem Monty schwer verletzt und im Gesicht entstellt wurde, blieb er von Schmerzmitteln und Alkohol abhängig. Bei seinen späten Filmen soll er Texte vergessen und die Produktion behindert haben.

Montgomery Clifts jüngster Neffe Robert Anderson Clift tritt in seinem Film MAKING MONTGOMERY CLIFT dieser Erzählung entgegen und macht dem Ärger der Familie vor allem über Bosworths Biografie Luft. Bosworth hatte in einem Kapitel, in dem es um Montgomerys Verhaftung wegen Homosexualität ging, angedeutet, der Schauspieler hätte „Boys“ nachgestellt und pädophile Neigungen impliziert. Robert Clift greift auf das umfangreiche Bild- und Tonarchiv seines Vaters Brooks Clift und auf Gespräche mit Montys Freunden zurück. Monty habe keineswegs mit seiner sexuellen Orientierung gehadert, sondern habe – soweit das in den 50er und 60er Jahren möglich war – offen bisexuell gelebt und keinerlei pädophile Neigungen gehabt. Seine Freunde schildern ihn als einen lustigen und lebensfrohen Typen, der vor allem an seiner Selbstbestimmtheit im Privatleben, vor allem aber als Schauspieler interessiert gewesen sei. Clift hat sich nie, wie damals üblich, an große Filmstudios gebunden und lehnte zahlreiche attraktive Rollen ab, die an langfristige Verträge gebunden waren – weil er sich seine Rollen selbst aussuchen wollte, und wohl auch, weil er sich nicht von Studiobossen vorschreiben lassen wollte, wie er zu leben hatte. Clift sei nach seinem Unfall vor allem seine Arbeit wichtig gewesen, und er sei stets professionell vorgegangen, nach Stanislawskis Ideen über realistisches Theater, nicht nach Lee Strasbergs „Method“. Die Gerüchte über sein erratisches Verhalten habe der Regisseur John Huston in die Welt gesetzt, nachdem sein Film FREUD (1962) mit Clift das Budget überzogen hatte. Huston habe einen Sündenbock gebraucht, obwohl Monty nichts mit den Verzögerungen und finanziellen Schwierigkeiten der Produktion zu tun gehabt habe.

MAKING MONTGOMERY CLIFT beantwortet nicht alle Fragen über Montgomery Clift, aber das versucht Robert Clift auch gar nicht. Er stellt vor allem Gewissheiten in Frage und kämpft mit großer Bewunderung für seinen Onkel für dessen Reputation. Dass dabei erstaunliche Seltsamkeiten über die Familie Clift zu Tage kommen, nimmt er in Kauf. So nahmen sowohl Montys Bruder Brooks als auch der Star obsessiv und heimlich Gespräche auf. Dabei ist unglaublich intimes Material zustande gekommen, aus dem Robert Clift schöpfen kann, aber ein bisschen creepy sind die Tonbänder auch. Das seltsamste an MAKING MONTGOMERY CLIFT ist aber, dass Lorenzo James, offiziell Montys „Butler“, „Diener“, „Krankenpfleger“, „Assistent“, den man im Film immer wieder liebevoll über Monty reden hört, und der auf Fotografien mit ihm am Frühstückstisch sitzt, nie explizit als Montys Partner oder Freund bezeichnet wird. Offensichtlicher, als Lorenzo es hier tut, lässt sich kaum über eine Liebesbeziehung sprechen, ohne zu sagen: „Wir waren ein Paar“. Aber Lorenzo, der, als Monty 1966 mit 45 Jahren an einem Herzinfarkt starb, selbst verdächtigt wurde, den Schauspieler ermordet zu haben, spricht nur in unzweideutigen Andeutungen. „Sie wollten mich nicht in der Position sehen, die ich in Montys Leben hatte. Verstehst du?“ sagt er. Oder „Wie hätte ich einen Mann töten können …?“ Das offensichtliche „den ich geliebt habe“ kommt Lorenzo nicht über die Lippen. Es ist nicht klar, wann die Tonaufnahmen von Lorenzo entstanden sind. Eine schwule Beziehung zwischen dem Weißen Star und einem Schwarzen „Diener“ wäre in Hollywood auch zu Beginn der Bürgerbewegung offiziell nicht möglich gewesen. Vielleicht war es zu früh für Lorenzo, aber in dem Schweigen liegt auch ein großer, unausgesprochener Schmerz. Montgomery Clift wäre in diesem Oktober 100 Jahre alt geworden.

Tom Dorow

Details

USA 2018, 88 min
Genre: Dokumentarfilm, Biografie
Regie: Robert Anderson Clift, Hillary Demmon
Kamera: Robert Anderson Clift
Schnitt: Hillary Demmon
Verleih: missingFILMs
FSK: 6
Kinostart: 17.10.2020

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Making Montgomery Clift

USA 2018 | Dokumentarfilm, Biografie | R: Robert Anderson Clift, Hillary Demmon | FSK: 6

MAKING MONTGOMERY CLIFT beantwortet nicht alle Fragen über Montgomery Clift, aber das versucht der Regisseur und Neffe des Schauspielers Robert Clift auch gar nicht. Er stellt vor allem Gewissheiten in Frage und kämpft mit großer Bewunderung für seinen Onkel für dessen Reputation.

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