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Mahana – Eine Maori-Saga

Klassisches Familienepos

Neuseeland in den 1960er Jahren. Tamahani Mahana, Oberhaupt des Mahana Clans, einer der wichtigsten Schafscherer-Familien der Gegend, regiert den Clan mit eiserner Hand. Nur der 14-jährige Simeon stellt sich ihm entgegen.

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Das neuseeländische Maori-Familienepos MAHANA von Lee Tamahori (DIE LETZTE KRIEGERIN) spielt in den 60er Jahren. Die imposanteste Figur des Films, der man gleich zu Beginn in ihrer vollen autoritären Größe begegnet ist der Familienpatriarch, Großvater Tamahani Mahana. In Festtagsmontur steht er mit seiner Frau Ramona auf der Veranda des Familiensitzes und kontrolliert seine Taschenuhr, während sich zeitgleich Kinder und Enkel hektisch in Autos stapeln, um nur nicht zu spät zu kommen. Als sie dann vorgefahren und in Reih‘ und Glied angetreten sind, sind die ersten Worte des Familienoberhaupts: „Ihr seid zu spät!“. Nur der 14-jährige Simeon wagt zu widersprechen „Nur eine Minute“, wofür er von allen Seiten zur Ordnung gerufen wird.

Die Mahanas sind eine Schafscherer-Dynastie. In seiner Jugend hat Großvater Tamahani ihr Imperium aufgebaut, sich die Schurrechte beim größten Farmer der Gegend gesichert, Land erworben und darauf Häuser für seine Kinder, Nichten, Neffen und Enkel errichtet. Die Zugehörigkeit zum Mahana-Clan bedeutet Absicherung und relativen Wohlstand, kommt aber auch mit einer alten Fehde. Die Erzfeinde der Mahanas sind von je her die Poatas, ebenfalls Schafscherer. Mahanas und Poatas buhlen um die gleichen Schurrechte und treten jährlich beim Schafschur-Wettbewerb gegeneinander an. Aber das allein reicht nicht, um den abgrundtiefen Hass zu erklären, der zwischen den Familien herrscht, oder die Vehemenz, mit der Tamahani Simeon verbietet, mit einem Poata-Mädchen anzubändeln.

Während die übrige Familie vor Tamahani kuscht - die Älteren, weil sie um die Verdienste des Patriarchen wissen, die jüngeren, weil sie Angst vor dem Verlust der Sicherheit haben - begehrt Simeon, der sich deutlich erwachsener fühlt, als er ist, immer wieder auf. Es sind eigentlich Kleinigkeiten wie gemurmelte Widerworte beim Mittagstisch, aber schließlich eskaliert eine Diskussion über das weiße „Pakeha“-Kino im Ort und Tamahani verbannt nicht nur Simeon, sondern seine ganze Familie aus seiner Obhut. Die Verbannung ist als vernichtender Schlag gedacht, als Exempel für die anderen Familienmitglieder, und vermutlich wartet Tamahani nur darauf, um Vergebung angebettelt zu werden. Das Gegenteil tritt ein. Die Befreiung aus dem patriarchalen Regime ist der Anfang einer Emanzipation. Die Szenen, in denen sich die Familie in ihrer neuen Baracke einrichtet, gehören zu den schönsten des Films. Gemeinsam flicken sie das Dach. Gemeinsam verdingen sie sich als Landarbeiter und roden für einen Hungerlohn Buschland. Trotz Sorgen spürt man, wie sie freier atmen. Beim nächsten Schur-Wettbewerb treten sie nicht nur gegen die Poatas, sondern auch gegen das Team „Mahana 1“ an.

Es ist der Anfang einer Zeitenwende, in der die Machtverhältnisse nicht nur innerhalb der Mahana-Familie neu strukturiert werden und Versöhnung möglich ist. Bevor es allerdings soweit ist, bedarf es noch eines klaren Blickes auf die Vergangenheit. Respekt muss gezollt werden und alte, schmerzhafte Geheimnisse müssen ans Tageslicht, aber dann ist der Weg frei, für eine Gesellschaft, in der alle mehr zu sagen haben.

Das Vorbild für MAHANA lieferte die Familiensaga BULIBASHA: KING OF THE GYPSIES von Witi Ihimaera, der auch das Buch zu WHALE RIDER schrieb. Lee Tamahori hat sie als klassisches Familienepos verfilmt, das auf einem so langen Atem so gemächlich dahin gleitet, dass das Ende dann fast überraschend kommt. Die leuchtenden Bilder feiern die Landschaft, die Arbeit, mit der sich die Großelterngeneration ihren Platz in der Gesellschaft erkämpfte – schön viel Zeit nimmt sich Tamahori zum Beispiel für den Schafschur-Wettbewerb - und den Zusammenhalt der Maori-Familien. Selbst in den härtesten Konflikten, die Simeon und Tamahani miteinander austragen ist dieser Zusammenhalt noch spürbar.

Toni Ohms

Details

Originaltitel: Mahana
Neuseeland 2016, 104 min
Genre: Action, Drama, Historienfilm
Regie: Lee Tamahori
Drehbuch: John Collee
Kamera: Ginny Loane
Schnitt: Michael Horton, Jonathan Woodford-Robinson
Musik: Mahuia Bridgman-Cooper, Tama Waipara
Verleih: Prokino Filmverleih
Darsteller: Temuera Morrison, Akuhata Keefe, Nancy Brunning
FSK: 12
Kinostart: 01.09.2016

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