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Made in Ash

Vom Ende der Träume

Die slowakische Regisseurin Iveta Grófová hat selbst in der Textilfabrik in Ash gearbeitet. In ihrem Spielfilm-Debüt zeigt sie die Ausbeutungssituation, in der sich Frauen dort befinden ebenso wie die hilflose Solidarität unter den Arbeiterinnen. Vor allem aber erzählt der Film von den Träumen und Sehnsüchten seiner Hauptdarstellerin.

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Da es in ihrem slowakischen Dorf keine Arbeit gibt, zieht die Abiturientin Dorotka nach Aš an der tschechisch-deutschen Grenze. Dort teilt sie sich mit der etwas älteren Sylvie ein Doppelzimmer und arbeitet in einer Näherei. Jeden Abend ruft sie ihren Freund vom Marktplatz aus an, damit er sie über die öffentliche Webcam sehen kann. Nachts gehen die jungen Frauen „Party machen“. Das heißt, sie nehmen irgendwelches Zeug und lassen sich von älteren Deutschen in Kneipen aushalten. Die Übergänge von der Party zur allgegenwärtigen Prostitution sind fließend. Die slowakische Regisseurin Iveta Grófová hat selbst in der Textilfabrik in Ash gearbeitet. Sie zeigt die Ausbeutungssituation, in der sich Frauen befinden ebenso wie die hilflose Solidarität unter den Arbeiterinnen. Sie erzählt aber vor allem von Dorotkas Sehnsüchten. Deren Kritzeleien, zaghaft animiert, kommentieren immer wieder das Geschehen. Die Zeichnungen zeigen Dorotkas Freund als Prinzen hoch zu Ross, der schließlich, nachdem Dorotka einmal zu oft allein auf dem Marktplatz stand, zu einem teuflischen Dämon mutiert. Da hat Dorotka schon längst den deutschen Freier Johann kennengelernt, der vielleicht eine Braut sucht, vielleicht auch nur Versprechungen macht, aber wenigstens nicht brutal wirkt. In einer der letzten Einstellungen des Films fährt die Kamera an der Leuchtreklame eines Bordells vorbei. Der Laden heißt „Happy End“. Iveta Grófovás Humor ist bitter, die Kamera wild, die Schnitte sind hart und wirken beiläufig, erzählen aber immer wieder von größeren Zusammenhängen. Als Dorotka in der Fabrik entlassen wird, scheint das zunächst auf ihre schlechte Arbeitsleistung zurückzuführen. Dann zeigt der Film kurz die Lager voller Herrenanzüge, dann die leere Fabrikhalle, und schon geht es weiter. Mit Dorotka hat die Ökonomie nichts zu tun, sie bestimmt nur ihre Lage und korrumpiert ihre Träume.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Až do mesta Aš
Slowakei 2012, 80 min
Genre: Drama
Regie: Iveta Grófová
Drehbuch: Iveta Grófová, Marek Leščák
Kamera: Viera Bačíková
Schnitt: Maroš Šlapeta
Musik: Matej Hlaváč
Verleih: Peripher Filmverleih
Darsteller: Dorotka Billá, Silvia Halušicová, Robin Horký, Mária Billá, Petr Kropáček
Kinostart: 11.06.2015

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