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Madame Kika

Trauerbewältigung als Domina

Sozialarbeiterin Kika braucht nach dem Tod ihres Freundes dringend Geld. Eine Kundin hat ihr erzählt, dass sie Höschen im Internet verkauft. Kika gerät über ihre neuen Kunden in die SM- und Fetisch-Szene.

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Kika ist Mitte 30, Sozialarbeiterin in Brüssel, hat ein Kind aus erster Ehe, und hat gerade festgestellt, dass sie schwanger ist, da stirbt ihr neuer Partner David an einem Schlaganfall.
Kika kann sich die gemeinsame Wohnung nicht mehr leisten und braucht dringend Geld. Eine Klientin in der Sozialberatung hatte ihr verraten, dass sie Höschen verkauft, und Kika versucht sich ebenfalls daran. Ihr erster Kunde bittet sie bei der Übergabe, ihn außerdem zu beschimpfen und zu erniedrigen. Das macht sie zwar, wirkt dabei aber ungeschickt und verwirrt. Auf der Suche nach Rat in einem SM-Studio findet sie eine Geldquelle, eine neue Berufung als Domina und eine solidarische Community von Frauen.

Regisseurin Alexe Poulkine erzählt ungeheuer ökonomisch. In wenigen Szenen zieht sie in Kikas Leben hinein, stellt ihr Engagement und ihre Klienten vor, allen voran eine alte Dame, der Zwangsräumung droht. Die Fälle, die Kika als Sozialarbeiterin bearbeitet, sind immer wieder Spiegelungen ihres eigenen Lebens, so wie das plüschige und etwas schmierige Stundenhotelzimmer, in dem sie sich eine Zeit lang mit David trifft, das aber später in anderer Funktion wichtig wird.

Der emotionale Kern des Films ist Kikas durch den gesellschaftlichen und ökonomischen Druck verdrängte Trauer, die im Begriff ist, zu einer dauerhaften Depression zu werden. Die Sexarbeit und der konsensuelle Schmerz im SM erlauben ihr, sich aus der Depression zu befreien und ihre Trauer zuzulassen. Die Szenen, in denen Kikas Domina-Kunden mit ihr über ihren Schmerz und ihren Alltag reden, sind sehr respektvoll, wie der Film überhaupt alle Figuren freundlich wertschätzend behandelt. Fast ein Film aus einer anderen Zeit, vor der puritanischen Wende.

Tom Dorow

Details

Frankreich/Belgien 2025, 104 min
Sprache: Französisch
Genre: Tragikomödie
Regie: Alexe Poukine
Drehbuch: Alexe Poukine, Thomas van Zuylen
Kamera: Colin Lévêque
Schnitt: Agnes Bruckaert
Musik: Pierre Desprats
Verleih: Little Dream Pictures
Darsteller: Manon Clavel, Suzanne Elbaz, Makita Samba, Thomas Coumans
FSK: 16
Kinostart: 15.01.2026

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