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INDIEKINO BERLIN: Filmkritik Madame Aurora und der Duft von Frühling
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Madame Aurora und der Duft von Frühling

Frauen-unter-sich-Gefühl

Aurora (Agnès Jaoui) ist mitten in der Menopause und wird von brutalen Hitzeattacken geplagt. Auch überall sonst tauchen auf einmal ganz neue Hürden auf.

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„Die Ärzte verpflanzen heutzutage Herzen, aber diese blöden Hitzewallungen bekommen sie einfach nicht in den Griff“. Aurora (Agnès Jaoui) ist mitten in der Menopause und wird von brutalen Hitzeattacken geplagt. Immer wieder muss Aurora ihre Schichtkleidung blitzartig loswerden oder würde es zumindest gerne. Auch überall sonst tauchen auf einmal neue Hürden auf, und das fühlt sich – zumindest am Anfang – weit eher nach Abend- als nach Morgendämmerung an: Auroras Töchter werden groß und verlassen das Haus, womit der klassische Frauenjob erledigt wäre. Ein alter Ex erscheint und bringt Auroras Gefühlsleben durcheinander, und im Restaurant, in dem Aurora seit Jahren als Kellnerin arbeitet, hat ein junger Volltrottel die Leitung übernommen. Der nennt sie Samantha und stellt sie an die Bar. Als er auch noch beschließt, das Mineralwasser außer Reichweite zu lagern, reicht es Aurora. Sie schmeißt hin und muss feststellen, dass auf Frauen um die Fünfzig niemand gewartet hat.
Mit Charme und Humor, einem exzellenten Timing und einer Art Frauen-unter-sich-Gefühl, erzählt der Film von Auroras Problemen, die diese mit einer Mischung aus Stoizismus und Widerständigkeit durchsteht. Keine Spur von der sonst so gerne beschworenen Midlife-Crisis-Hysterie à la „Desperate Housewifes“. Stattdessen baut Regisseurin Blandine Lenoir immer wieder komische und rührende Momente von Frauensolidarität ein. Sei es die Sachbearbeiterin auf dem Arbeitsamt, die aus heiterem Himmel eine Tirade auf Männer, die ihre Frauen erst als Sekretärinnen beschäftigen und sich anschließend mit Jüngeren davonmachen, loslässt, oder die liebevolle und schlagfertige Art, in der Aurora, ihre Töchter und Freundinnen miteinander kommunizieren.

Toni Ohms

Details

Originaltitel: Aurore
Frankreich 2017, 89 min
Genre: Komödie
Regie: Blandine Lenoir
Drehbuch: Jean-Luc Gaget, Océane Michel, Blandine Lenoir
Kamera: Pierre Milon
Schnitt: Stéphanie Araud
Musik: Bertrand Belin
Verleih: Tiberius Filmverleih
Darsteller: Agnès Jaoui, Marlène Veyriras, Tribault de Montalembert, Pascale Arbillot
FSK: oA
Kinostart: 26.04.2018

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