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Madame (2019)

Familiärer Geschlechterdialog

Stéphane Riethauser erzählt vom Leben seiner Großmutter Caroline – und von seinem eigenen. Sie verweigert sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts dem Patriarchat, er bricht zwei Generationen später aus der heteronormativen Gutbürgerlichkeit aus.

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Stéphane Riethauser erzählt in diesem Dokumentarfilm das Leben seiner Großmutter Caroline – und damit auch sein eigenes. Caroline hat ein schwieriges Verhältnis zu Männern und Stéphane zu Frauen, so stellt er gleich zu Beginn fest. Zusammen sind sie ein starkes Paar im Geschlechterkampf: Sie verweigert sich bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts dem Patriarchat und bleibt bis zu ihrem Lebensende lieber Single, als ihre finanzielle Unabhängigkeit für einen Mann aufzugeben. Stéphane bricht spät aus der heteronormativen Gutbürgerlichkeit aus und hat dann aber ein umso heftigeres Coming out als fernsehpubliker LGBTQ-Aktivist. In Archivaufnahmen verfolgen wir abwechselnd Caroline, die eiserne Geschäftsfrau und später liebevolle Großmutter, und Stéphane, der krampfhaft versucht „Männlichkeit“ zu mimen, als er schon längst zärtliche Gefühle für andere Männer entwickelt. Mit kluger, humorvoller Off-Stimme kommentiert der Filmemacher seine privaten Aufnahmen und erzählt vom Aufwachsen in gehobenen Schweizer Kreisen und davon, was es in seiner Familie heißt, ein Mann oder eine Frau zu sein. Er erinnert daran, welche Routinen und Rituale in Kindheit und Jugend verbieten, anders zu sein und anders zu lieben, und wie schwer ein Coming out sich in der eigenen Familie gestaltet, selbst gegenüber einer progressiv denkenden Großmutter, die man im hohen Alter aber nicht unnötig belasten möchte. Die verpassten Anrufe und Anrufbeantworternachrichten von der Oma an den Enkel während seiner Umbruchzeit in New York und Berlin sprechen Bände. Und zeitweise könnte der Film mehr von diesen subtilen Zwischentönen vertragen. So plätschert er vor sich hin, bleibt aber in den körnigen Familienvideos und ersten eigenen Filmexperimenten von Klein-Stéphane immer charmant. Ein weiteres Mosaiksteinchen im Gender-Filmdialog.

Anna Hantelmann

Details

Originaltitel: Madame
Schweiz 2019, 94 min
Sprache: Französisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Stéphane Riethauser
Drehbuch: Stéphane Riethauser
Kamera: Stéphane Riethauser
Schnitt: Natali Barrey
Musik: David Perrenoud
Verleih: Edition Salzgeber
Darsteller: Stephane Riethauser, Caroline Della Beffa
FSK: 12
Kinostart: 12.12.2019

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Preview: Madame (2019)

(Madame) | Schweiz 2019 | Dokumentarfilm | R: Stéphane Riethauser | FSK: 12

Stéphane Riethauser erzählt vom Leben seiner Großmutter Caroline – und von seinem eigenen. Sie verweigert sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts dem Patriarchat, er bricht zwei Generationen später aus der heteronormativen Gutbürgerlichkeit aus.

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09.12. – Mo

22:00

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