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Macbeth

Shakespeare als Höllenritt

In Justin Kurzels rasanter Inszenierung von MACBETH prallen dreckiger, winddurchtoster Realismus und eine ultrafette, symbolträchtige Inszenierung, die an 300, Ridley Scotts Sandalenfilme oder auch „Game of Thrones“ erinnert, aufeinander.

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Kurz vor Tagesanbruch. Ein Trupp verdreckter Krieger in schweren Leinenhemden bereitet sich in den Hügeln Schottlands auf einen Kampf vor. Rundherum nichts als matschige, grau-grüne Weite. Auf der anderen Seite wartet ein ebenso verdreckter Trupp auf die Männer. Bei Tagesanbruch prallen die beiden aufeinander. Es folgt ein donnerndes und brutales Gemetzel, Dreck und Blut spritzen in Slow Motion, schwere Waffen werden langsam in schwere Körper gebohrt. Als die Schlacht vorbei ist, treten drei Frauen und ein kleines Mädchen aus dem Nebel und weissagen Macbeth, dem Anführer der Sieger, dass er einst der König sein wird. Damit nimmt Shakespeares todesgesättigtes Drama, in dessen Verlauf Macbeth (Michael Fassbender), angespornt von seiner Frau (Marion Cotillard) zunächst den König und dann alle potentiellen Gegner aus dem Weg räumt, und dabei selbst immer wahnsinniger wird, seinen Anfang.
In Justin Kurzels Inszenierung von MACBETH prallen winddurchtoster Realismus und eine ultrafette, symbolträchtige Inszenierung, die an 300, Ridley Scotts Sandalenfilme oder auch „Game of Thrones“ erinnert, aufeinander. Vom düster-brachialen Anfang bis zum blutigen Ende treibt ein langsamer, unerbittlicher, bewusst an den Nerven zerrender Folk-Industrial-Sound die aufs Nötigste zusammengekürzte Handlung. Dramatisch einfallende Sonnenstrahlen zerschneiden blaugraue Nebelwelten, die auch in einem Horrorfilm gut aufgehoben wären und am Ende geht blutrot und höllengleich die Sonne über der äußerlichen und innerlichen Verwüstung auf. Das Ergebnis ist ein wuchtiges Mord- und Wahnsinnspanorama, dem zugleich etwas Absurdes anhaftet. All das Töten und Morden für diesen armseligen Flecken Land, auf dem nichts wächst, der nur die Feuchtigkeit aufnimmt wie ein nasser Schwamm? All das Leid, um das Zelt des Vasallen einzutauschen gegen das mindestens ebenso zugige, düstere Gemäuer des Herrschers über diese karge Weite?

Hendrike Bake

Details

Großbritannien/Frankreich/USA 2015, 113 min
Genre: Drama, Historienfilm
Regie: Justin Kurzel
Drehbuch: Todd Louiso, Jacob Koskoff, Michael Lesslie basierend auf William Shakespeare
Kamera: Adam Arkapaw
Schnitt: Chris Dickens
Musik: Jed Kurzel
Verleih: Studiocanal
Darsteller: Michael Fassbender, Marion Cotillard, David Thewlis, Paddy Considine
FSK: 12
Kinostart: 29.10.2015

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