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Lost River

Ein amerikanischer Alptraum

Die Kleinstadt Lost River ist ein Ort, der von den Menschen aufgegeben worden ist, den die Natur sich allmählich zurückholt. Ein Ort, an dem es weder Zukunft noch Vergangenheit zu geben scheint, nur einen ewigen Stillstand. Hier spielt Ryan Goslings Regie-Debut – eine düstere Endzeitfantasie, die von den „American Gothic“-Filmen David Lynchs und Nicholas Winding Refns inspiriert ist.

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Bilder einer vermeintlich glücklichen Kindheit: Ein kleiner Junge spielt mit seinem schlaksigen großen Bruder in einem verwilderten Garten: Vergnügt turnen die beiden, beobachtet von der allein erziehenden, jungen Mutter Billie (Christina Hendricks), in einem nicht mehr fahrtüchtigen Autowrack. Zwischenschnitte auf verfallende Nachbarhäuser, zerstörte Lagerhallen und ein zur Ruine gewordenes Theater machen indes schon in der Titelsequenz von LOST RIVER, dem Regie- und Drehbuchdebüt des DRIVE-Stars Ryan Gosling klar, wo dieses vermeintliche Idyll liegt: In einer verarmten amerikanischen Kleinstadt, kurz vor dem Ende. Ein Ort, der von den Menschen aufgegeben worden ist, den die Natur sich allmählich zurückholt.
Billie aber will bleiben. Als ihr verpfändetes Haus bereits mit einem roten „D“ für den Abriss gekennzeichnet ist, nimmt sie einen Job in einem Nachtclub an. Sie durchschreitet die wie ein riesiges Maul gestaltete Eingangstür und findet sich in einer Zwischenwelt wieder, in der Mord und Selbstmord als Burlesque–Nummern inszeniert werden. Auch Bones, der ältere Bruder, versucht, Geld aufzutreiben: Er taucht in einem nahen Stausee nach den Ruinen einer Nachbarstadt. Seine Freundin Rat warnt ihn, der Ort sei verflucht. Bones will ihr nicht glauben…
Ryan Goslings großes Vorbild ist erkennbar der American Gothic eines David Lynch; vor allem BLUE VELVET und LOST HIGHWAY klingen immer wieder an; auch Nicholas Winding Refn, mit dem der Schauspieler Gosling zwei Mal zusammengearbeitet hat, hat seine Spuren hinterlassen. Klar, dass der Debütant und Quereinsteiger sich nicht mit diesen Regisseuren messen kann. Dennoch: Die farbsatten, leuchtenden Bilder von Kameramann Benoît Debbie und der warme, getragene, elektronische Soundtrack Johnny Jewels lassen zusammen mit Goslings Dialogen und seiner sprunghaften, Zeitebenen verwischenden Inszenierung einen amerikanischen Alptraum ganz eigener Art entstehen.

Christoph Selzer

Details

USA 2014, 104 min
Genre: Fantasy, Thriller
Regie: Ryan Gosling
Drehbuch: Ryan Gosling
Kamera: Benoît Debie
Schnitt: Nico Leunen, Valdís Óskarsdóttir
Musik: Johnny Jewel
Verleih: Tiberius Film
Darsteller: Eva Mendes, Saoirse Ronan, Ben Mendelsohn, Reda Kateb, Christina Hendricks, Matt Smith, Barbara Steele, Ian De Caestecker
FSK: 16
Kinostart: 28.05.2015

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