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Los Versos del Olvido – Im Labyrinth der Erinnerung

Zunehmend grotsk

Morbide Schauplätze und magischer Realismus: Ein namenloser Friedhofswärter widersetzt sich - still und nachdrücklich - gegen Machtmissbrauch und Unterdrückung.

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An sieben Tagen in der Woche arbeitet der alte Mann (Juan Margallo) ohne Ruhetag auf einem Friedhof am Rande einer südamerikanischen Stadt. Zwar ist das offiziell verboten, aber der Tod gibt nichts auf Arbeitszeiten – vor allem nicht, wenn die Schergen der Regierung nachhelfen. Und so wird kurz nach einer regimekritischen Demonstration die Leiche einer jungen Frau ins Kühlhaus des Friedhofs gebracht, ohne Namen und am besten auch ohne dass jemals jemand davon erfährt. Der Alte ist kein Mann vieler, dafür aber bedachter Worte. Ähnlich ist es auch mit seinen Taten. Daher macht er sich entschlossen auf den Weg, um der Frau ein angemessenes Begräbnis zu ermöglichen. Nicht nur um ihretwillen sondern auch für eine Mutter, die regelmäßig zum Friedhof kommt, da deren Tochter vor Jahren ebenfalls spurlos verschwunden ist.
Der aus dem Iran stammende Regisseur Alireza Khatami findet im magischen Realismus Südamerikas eine gelungene Ausdrucksform für sein autobiografisch gefärbtes Spielfilmdebüt. Ruhige, beinahe meditative Szenen werden immer wieder surreal gebrochen und nehmen eine zunehmend groteske Färbung an. Die namenlose Hauptfigur wandelt zwischen wunderschönen Schauplätzen voll morbidem Charme in abblätterndem Türkis und kafkaesken Verwaltungseinrichtungen. Sein stiller Kampf gegen Machtmissbrauch und Unterdrückung lässt Raum für Assoziationen, die bei Pinochets Militärdiktatur anfangen und beim Herkunftsland des Regisseurs nicht enden. Oftmals ist der Blick auf die Menschen im Film blockiert, sie sind gesichtslos hinter Vorhängen oder versteckt in den Tiefen frisch ausgehobener Gräber. Doch ihre Stimme ist deutlich zu hören. Auch Alireza Khatamis Film selbst ist Ausdruck der starken Stimme eines Regisseurs, auf dessen zukünftige Werke man jetzt schon gespannt sein kann.

Katharina Franck

Details

Originaltitel: Los Versos del olvido
Frankreich/ Deutschland/ Niederlande/ Chile 2017, 92 min
Sprache: Spanisch
Genre: Drama
Regie: Alireza Khatami
Drehbuch: Alireza Khatami
Kamera: Antoine Héberlé
Schnitt: Florent Mangeot
Verleih: Sabcat Media
Darsteller: Juan Margallo, Tomás del Estal, Manuel Morón, Itziar Aizpuru, Julio Jung
FSK: 6
Kinostart: 12.07.2018

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Los Versos del Olvido - Im Labyrinth der Erinnerung

(Los Versos del olvido) | Frankreich/ Deutschland/ Niederlande/ Chile 2017 | Drama | R: Alireza Khatami | FSK: 6

Morbide Schauplätze und magischer Realismus: Ein namenloser Friedhofswärter widersetzt sich - still und nachdrücklich - gegen Machtmissbrauch und Unterdrückung.

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