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Lolita lesen in Teheran

Widerstand einer Intellektuellen

Basierend auf den 2003 erschienenen Memoiren Azar Nafisis schildert LOLITA LESEN IN TEHERAN vom Widerstand einer Intellektuellen gegen den Terror der Diktatur.

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1980 kehrt die Literaturprofessorin Azar Nafisi (Golshifteh Farahani) aus Amerika nach Teheran zurück, um an der dortigen Universität englische Literatur zu unterrichten. Es ist das Jahr nach der sogenannten „islamischen/iranischen Revolution“, bei der eine Bewegung aus religiösen und säkularen Gruppen das Ende der Monarchie im Iran erkämpft hatte. Nafisi hofft, dass jetzt in ihrer Heimat alles besser wird – stattdessen verwandelt sich das Land in eine Theokratie.
Sie versucht, sich der Gewalt des Regimes zu widersetzen, und gründet einen Lesezirkel für ihre Studentinnen, in denen sie verbotene Bücher wie „Lolita“ oder „Pride and Prejudice“ besprechen. In ihrem Studierzimmer tauschen sich die Frauen ohne Männer und Verbote über ihre Leben aus. „Sind wir Lolita?“, fragen sie sich. „Natürlich sind wir Lolita“, sagt die Professorin. Aber: Lolita sei Humbert vollkommen ausgeliefert gewesen – „sie hatte niemanden, wir haben uns.“

Basierend auf den 2003 erschienenen Memoiren Nafisis schildert LOLITA LESEN IN TEHERAN den Widerstand einer Intellektuellen gegen den Terror der Diktatur, die das Land bis heute in ihrem Griff hält. Der israelische Regisseur Eran Eklis (DIE SYRISCHE BRAUT) schafft visuell eindrückliche, wohldurchdachte Tableaus in Alltagsräumen, in denen die Zukunft des Landes verhandelt wird. Eben noch diskutiert Nafisi im Hörsaal mit Student*innen (reaktionäre junge Männer, progressive junge Frauen) kontrovers über „The Great Gatsby“ – sobald sie die Universitätstür verlässt, stellen sich ihnen uniformierte Schläger in den Weg und setzen mit Knüppeln eine Seite der Diskussion durch.

Nafisis internationaler Bestseller sorgte selbst für Streits unter iranischen Intellektuellen und wurde für die einseitige Verehrung der westlichen Kultur und eine Verklärung Irans unter dem Schah kritisiert. Eine poetische Szene im Film zeigt eine verlassene Straße, wie sie in den 1970er Jahren ausgesehen haben könnte: mit Hamid, der in seinem Buchladen internationale Literatur verkauft, mit jungen Leuten, bunt gekleidet, die Kaffee trinken und Bein zeigen - vielleicht ein idealisiertes Bild jener Zeit, vielleicht eine utopische Fantasie, in jedem Fall der Grund, warum Nafisi so lange bleibt, bis es gar nicht mehr geht, 1997 migriert sie mit ihrer Familie in die USA.

Eva Szulkowski

Details

Originaltitel: Reading Lolita in Tehran
Italien/Israel 2024, 108 min
Sprache: Persisch, Englisch
Genre: Drama
Regie: Eran Riklis
Drehbuch: Marjorie David
Kamera: Hélène Louvart
Schnitt: Arik Lahav-Leibovich
Musik: Jonathan Riklis
Verleih: Weltkino
Darsteller: Golshifteh Farahani, Zar Amir Ebrahimi, Mina Kavani, Reza Diako
FSK: 12
Kinostart: 20.11.2025

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Lolita lesen in Teheran

(Reading Lolita in Tehran) | Italien/Israel 2024 | Drama | R: Eran Riklis | FSK: 12

Basierend auf den 2003 erschienenen Memoiren Azar Nafisis schildert LOLITA LESEN IN TEHERAN vom Widerstand einer Intellektuellen gegen den Terror der Diktatur.

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