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Leonora im Morgenlicht

Surrealistische Künstlerin

LEONORA IM MORGENLICHT ist der erste Spielfilm über die surrealistische britisch-mexikanische Künstlerin Leonora Carrington (1917–2011) und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michaela Carter.

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„All seine Porträts von mir sind Lügen. Sie sind alle Picassos. Keines von ihnen ist Dora Maar.“ So soll die Fotografin und Malerin Maar über die Bilder geurteilt haben, die ihr Ex Pablo Picasso von ihr malte.

LEONORA IM MORGENLICHT von Thor Klein und Lena Vurma, der erste Spielfilm über die surrealistische britisch-mexikanische Künstlerin Leonora Carrington (1917–2011), basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michaela Carter und ist wie dieser benannt nach dem Porträt, das Max Ernst 1940 von Carrington anfertigte. 1937 lernten Carrington und Ernst einander in Paris kennen; sie war 19 Jahre alt, er 47. Drei Jahre lang waren sie zusammen, ehe Ernst 1940 festgenommen wurde, Frankreich in die Hände der Nazis fiel, und Carrington über Spanien nach Mexiko flüchtete. Drei von insgesamt 94 Lebensjahren, auf die Carrington bis heute oft reduziert wird.

Eigentlich passt LEONORA IM MORGENLICHT als Titel gut, da der Film dezidiert nicht zum Ziel hat, ihre Person je ganz zu durchschauen. In lose zusammenhängenden Kapiteln betrachtet er Ausschnitte ihrer Laufbahn, hält die Tür zu ihrem Innern einen Spaltbreit geöffnet und schaut von außen auf eine faszinierende Persönlichkeit. Stilistisch versucht er, sich an ihre einzigartige Ästhetik anzunähern und schafft dabei herrlich anzusehende Bilder, die mit Carringtons berühmtesten Werken in Interaktion treten – aufgegriffen werden etwa die Tiermetaphorik des „Selbstporträts“ (1938) mit Pferd und Hyäne ebenso wie die farbintensiven Meditationen über Natur, Architektur und Kreaturen (etwa „Darvault“ von 1950). Zugleich führt dieser Film fort, was die männlich geprägte Kunstgeschichte begann: Carrington ist im Mythos um Max Ernst eine von vielen Frauen - er ist in ihrer Biografie eine, wenn nicht gar die zentrale Figur.

Dabei zeigt LEONORA selbst, welche Beziehung Carringtons die meiste Aufmerksamkeit verdient hätte: die zur spanischen Malerin Remedios Varo (Cassandra Ciangherotti). Auch sie trafen einander in Paris und landeten nach ihrer Flucht aus Europa in Mexiko-Stadt, wo sie mit ihrer Kunst erstmals echte Erfolge feierten. Während sich die beiden erst dort wirklich kennenlernten und eine lange Freundschaft knüpften, kommen sie im Film nicht mehr richtig zusammen. So schön auch die letzte Einstellung ist, in der man Carrington minutenlang beim Malen sieht, irgendwie suggeriert sie auch diese gewisse Einsamkeit, die Frauen in der Kulturgeschichte immer wieder unterstellt wird – Freundschaften und Netzwerke zwischen Frauen werden immer wieder geringgeschätzt, nicht erkannt oder verschwiegen. Auch, dass Carrington neben der Malerei erfolgreich als Bildhauerin, Performance-Künstlerin, Autorin und Dramaturgin tätig war, macht der Film leider nicht deutlich.

LEONORA erzählt durchaus, dass Carrington sich stets dagegen wehrte, von den männlichen Zeitgenossen - die für Frauen wie sie den absurden Begriff „Femme-Enfant“ („Kindfrau“) prägten - als „Muse“ fetischisiert zu werden, kann aber bei allem guten Willen nicht verhindern, selbst in diese Falle zu tappen.

Eva Szulkowski

Details

Originaltitel: Leonora in the Morning Light
Deutschland/ Mexiko/ Rumänien/ Großbritannien 2024, 104 min
Genre: Biografie, Drama
Regie: Thor Klein
Drehbuch: Thor Klein, Lena Vurma
Kamera: Tudor Vladimir Panduru
Schnitt: Matthieu Taponier
Musik: Maria Protugal
Verleih: Alamode Filmverleih
Darsteller: Olivia Vinall, Alexander Scheer
Kinostart: 17.07.2025

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