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Landstück

Zurückkehrerfilm

Wie schon in DAS WEITE FELD (1976) und UCKERMARK (2002) zieht es Volker Koepp auch in LANDSTÜCK in den Norden Brandenburgs: Kulturlandschaft, Agrarland, Wirtschaftsfaktor. Wie immer filmt Koepp die Landschaft nicht ab, sondern betrachtet sie sorgfältig, wie immer führt er keine Interviews, sondern neugierige Gespräche.

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Das filmische Oeuvre von Volker Koepp ist zu einem Werk des Zurückkehrens geworden. In seiner vier Jahrzehnte umspannenden dokumentarischen Arbeit über Mensch, Landschaft, Zeit und Geschichte bewegt er sich wie an einem Zeitstrahl hin und her, nimmt Fäden wieder auf, die er vor Jahren gesponnen hat, besucht dieselben Landstriche ein zweites und ein drittes Mal, spricht mit den Überlebenden von damals und den Erlebenden von heute. Er überprüft seine früheren Wahrnehmungen, als könne man seine Filme wie Schablonen übereinanderlegen: Die Geschichte als ewiger Abgleich von Vergangenheit und Gegenwart. Dieses Mal zieht es ihn erneut in den Norden Brandenburgs, seinen eigenen Lebensraum, wie schon 1976 mit DAS WEITE FELD und 2002 mit UCKERMARK. Kulturlandschaft. Agrarland. Wirtschaftsfaktor. Hier entscheidet der Landbesitzer über die Gestalt der Umgebung. Aneignung oder Pflege, Ausbeutung oder Förderung? Der regionale Ausschnitt als Mikrokosmos der Globalisierung. LANDSTÜCK erzählt auch vom Wandel der Systeme, vom Gleichmachen, vom Kampf für die natürliche Vielfalt und von den absurden Auswirkungen staatlicher Subventionierungen. Wie immer filmt Koepp die Landschaft nicht ab, sondern betrachtet sie sorgfältig durch die Apparatur der Kamera, wie immer führt er keine Interviews, sondern neugierige Gespräche. Er ist als Autor des Films immer präsent, die Fragen an sein Gegenüber stehen im Raum, sind transparent und klar. Trotz aller Ruhe, trotz der friedlichen Weite und Schönheit der Landschaft, trotz der herzlichen und humorvollen Begegnungen ist LANDSTÜCK aber auch ein wütender Film, der das persönliche Gefühl eines schmerzhaften Verlustes vermittelt, das Koepp dazu anzutreiben scheint, weiterzumachen und immer wieder davon zu erzählen. Die Gegenwart festhalten, bevor sie wieder überschrieben wird. Eine weitere Erinnerungsschablone für die Zukunft.

Jens Mayer

Details

Deutschland 2016, 122 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Volker Koepp
Drehbuch: Volker Koepp, Barbara Frankenstein
Kamera: Lotta Kilian
Schnitt: Christoph Krüger
Musik: Ulrike Haage
Verleih: Edition Salzgeber
FSK: oA
Kinostart: 03.03.2016

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