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INDIEKINO BERLIN: Filmkritik Kindheit
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Kindheit

Lieber spielen

Ein Jahr lang, vom Herbst bis zu den Sommerferien beobachtet Dokumentarfilmerin Margreth Olin die Kinder eines Waldorf-Waldkindergartens.

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Regisseurin Margreth Olin stellt ihrem Dokumentarfilm einen Gedanken voran: „Spielen ist die eigentliche Arbeit des Kindes“. Der Rest ist unkommentierte Beobachtung. Ein Jahr lang begleitet KINDHEIT die Kinder des norwegischen Waldkindergartens Aurora, vom Herbst, wenn die ältesten Kinder in den „Club der Sechsjährigen“ aufgenommen werden, bis zu den nächsten Sommerferien, wenn es für sie heißt, Abschied zu nehmen von der wilden, behüteten, märchenhaften Kindergartenwelt. Olins Kameraarbeit ist ebenso unauffällig wie beeindruckend. Die Kinder scheinen völlig zu vergessen, dass sie gefilmt werden. Versunken in ihre Projekte bewegen sie sich frei im Raum und die Kamera folgt ihnen überall hin - in den Wald, in den Schnee, in die Büsche – ohne je in Hektik zu verfallen. Ruhig und konzentriert sieht und hört KINDHEIT den Kindern zu. Auch die Erzieher*innen kommen vor. Sie begleiten, trösten, schlichten Konflikte, geben eine Struktur vor und machen Bastelangebote. Sie bieten die Rahmenbedingungen, die die Kinder brauchen, um ihre eigenen Entdeckungen zu machen und ihre Welt zu verhandeln. Im Zentrum des Film aber stehen immer die Kinder. Es macht Spaß, ihnen dabei zuzusehen, wie sie Spiele entwickeln, in eigenen Welten unterwegs sind oder engagierte Debatten austragen. Da sind zum Beispiel die zwei Vierjährigen, die sich vehement über die semiotische Frage streiten, ob der Trieb im Boden ein Ast oder ein Baum ist. Da ist Maja, die schmollt, weil sie keine rosa Schubkarre abbekommen hat und nun warten muss, oder Mattias, der erklärt, dass Liebe aus Drachenzähnen besteht. Maria erzählt dem staunenden Publikum, dass man ein Herz anhalten und eine Klappe austauschen kann, und alle Kinder sind Supergirl. KINDHEIT kommt ohne erklärenden Kommentar aus, aber Olins Message ist deutlich: Kinder lernen die Welt am besten kennen und verstehen, wenn man sie in Frieden spielen lässt.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Barndom
Norwegen/Schweden 2017, 90 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Margreth Olin
Drehbuch: Margreth Olin
Kamera: Øystein Mamen
Verleih: mindjazz pictures
FSK: oA
Kinostart: 19.04.2018

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