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Keeper

Während eines Wochenendausflugs in einer einsamen Hütte geschehen verstörende, surreale Dinge.

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Faulheit kann man Osgood Perkins nicht vorwerfen. Als die Dreharbeiten an der Stephen-King-Verfilmung THE MONKEY wegen eines Streiks in den USA unterbrochen werden mussten, fuhr er einfach über die Grenze nach Kanada, suchte sich dort eine kleine Cast & Crew und drehte das Kammerspiel KEEPER. Dementsprechend simpel ist auch die Prämisse: Um ihr einjähriges Beziehungsjubiläum zu feiern, fahren Liz (Tatiana Maslany, „She-Hulk: Attorney at Law“) und Malcolm (Rossif Sutherland) in eine abgelegene Waldhütte, die schon lange im Besitz von Malcolms Familie ist. Dass dies kein angenehmer Trip werden wird, zeigt eine Abfolge von kurzen Sequenzen ganz zu Anfang des Films, in denen Frauen in verschiedenen historische Perioden sich verlieben, dann verstört sind, bevor der Vorspann in Schreien und blutüberströmten Gesichtern endet. Und dafür, dass Liz und Malcolm noch relativ frisch verliebt sein sollten, sind ihre Gespräche in der Hütte angespannt. Malcolm, der wohlhabende Arzt, hat schon einige Frauen mit in die Hütte genommen, und dementsprechend auch schon Traditionen für diesen Anlass, während die wenig erfolgreiche Künstlerin Liz diese bestenfalls zähneknirschend erträgt. Es könnte alles aber noch schlimmer sein: Malcolms Cousin Darren stürmt mit seiner Modelfreundin auf einen Kurzbesuch in die angespannte Stille und fährt in kürzester Zeit das ganze Arsenal an toxischem Verhalten auf, das bei Malcolm nur verhalten und als überholt angedeutet wird.

Doch nachts und als Liz am nächsten Tag alleine im Haus ist, kommt die Stille und mit der Stille kommen geisterhafte Phänomene: Unsichtbare Finger, die auf beschlagene Scheiben malen, Gestalten, die sich hinter Liz aus dem Dunkel schälen und verschwinden, bevor sie sie sehen kann und immer wieder ein seltsames Klopfen und Knarzen aus dem Gebälk. Und irgendwann ist Liz auch von Angesicht zu Angesicht mit dem Bösen, das im Haus lebt.

KEEPER ist eine zweischneidige Erfahrung: Oz Perkins, oder eher sein Kameramann Jeremy Cox und die Tonabteilung, kreieren eine großartige Atmosphäre der Anspannung, Unsicherheit und Bedrohung auf der Leinwand, die Liz' Nervosität voll widerspiegelt und unterstreicht, besonders in den Momenten, in denen das Publikum eine Bedrohung sieht, die Liz noch entgeht. Das funktioniert sehr gut, solange weder das Publikum noch Liz wissen, was eigentlich genau im Haus und den umliegenden Wäldern passiert, und die intensiven Bilder und Geräusche individuelle Assoziationen auslösen können. Wenn der Film dann bereit ist, sein Geheimnis zu lüften, ist das eine Enttäuschung, weil es für Leute, die mit dem Horrorgenre der letzten Jahre intensiver beschäftigt haben, die offensichtlichste Option ist. Außer, dass die „Auflösung“ auch nicht alles erklärt, und das Finale zum einen noch mehr Fragen aufwirft und zum Anderen für mich persönlich eine der besten Horrorbilder des Jahres liefert.

An anderer Stelle wurde KEEPER als „Surrealistischer Horror“ beschrieben, und es wäre schön gewesen, wenn der Film sich etwas mehr getraut hätte, zu seinen visuellen/auditiven Exzessen auch narrative extremere Pfade a la SKINAMARINK zu beschreiten. Aber so wie es ist, ist es ein Trip, der für andere Menschen vielleicht auch besser funktioniert als für mich.

Christian Klose

Details

USA 2025, 99 min
Sprache: Englisch
Genre: Horror, Drama
Regie: Osgood Perkins
Drehbuch: Nick Lepard
Kamera: Jeremy Cox
Schnitt: Graham Fortin
Verleih: DCM Film Distribution
Darsteller: Tatiana Maslany, Rossif Sutherland, Erin Boye, Birkett Turton
Kinostart: 20.11.2025

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USA 2025 | Horror, Drama | R: Osgood Perkins

Während eines Wochenendausflugs in einer einsamen Hütte geschehen verstörende, surreale Dinge.

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