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Judgment – Grenze der Hoffnung

Am Rand Europas

Als Mityo, der nahe der bulgarisch-türkischen Grenze mit seinem Sohn Vasko lebt, in Geldnot gerät, lässt er sich mit dem ebenso reichen wie skrupellosen Kapitan ein: Der war einst Grenzsoldat und verhinderte auf blutige Weise die Flucht aus dem Ostblock, nun lässt er Flüchtlinge in die andere Richtung über die Grenze schleppen.

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Man könnte es als Ironie der Geschichte verstehen: Früher, in Zeiten des Kalten Krieges trennte die Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei den Ostblock von den Verheißungen der so genannten freien Welt. Damals versuchten nicht zuletzt viele DDR-Bürger die Grenze in den Bergen zu überschreiten, heute geht der Weg in die andere Richtung, versuchen Flüchtlinge über die EU-Außengrenze zu gelangen. Um diese schöne zentrale Metapher hat Stephan Komandarev seinen neuen Film JUDGMENT – GRENZE DER HOFFNUNG gebaut.
Hauptfigur ist der schweigsame Mityo (Assen Blatechki), der nahe der Grenze mit seinem Sohn Vasko (Ovanes Torosian) lebt, in Geldnöte gerät und sich auf einen Vorschlag des ebenso reichen wie skrupellosen Kapitan (Miki Manojlovic) einlässt. Der war einst Grenzsoldat und verhinderte auf blutige Weise die Flucht aus dem Ostblock, nun lässt er Flüchtlinge über die Grenze schleppen, auch wenn er die hilfesuchenden Menschen zutiefst verachtet. Eigentlich wäre dies reichlich Stoff für einen Film, doch Komandarev will noch mehr erzählen: Von Familienstreitigkeiten, einem schwelenden Vater-Sohn-Konflikt, einem ungeklärten Verbrechen in der Vergangenheit. Das Drehbuch, in dem all diese Themen in kaum mehr als 100 Minuten untergebracht werden, wirkt dadurch manchmal etwas überfrachtet und konstruiert.
Besonders gelungen ist JUDGMENT – GRENZE DER HOFFNUNG immer dann, wenn der Film Momente der Lebenswirklichkeit einfängt: Die Hoffnungslosigkeit der Menschen am Rande Europas, abgeschnitten von der wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents, die Not der Flüchtlinge, die zu allem Unglück oft auch noch ausgenutzt werden, aber auch die Momente der Hilfsbereitschaft, wenn Mityo nicht aus Geldnot, sondern aus Altruismus handelt.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Sadilishteto
Bulgarien 2014, 107 min
Genre: Drama
Regie: Stephan Komandarev
Drehbuch: Stephan Komandarev
Kamera: Krasimir Andonov
Schnitt: Nina Altaparmakova
Musik: Stephan Valdobrev
Verleih: farbfilm Verleih
Darsteller: Predrag Manojlović, Hristo Mutafchiev, Assen Blatechki, Ovanes Torosian, Harry Anichkin, Meto Jovanovski, Luran Ahmeti, Vasil Vasilev-Zueka, Paraskeva Djukelova, Ina Nikolova
FSK: 12
Kinostart: 23.04.2015

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