
Neue Notiz
Jeunes mères – Junge Mütter
Widrigkeiten des Lebens
Trotz allem unerschütterliche Optimisten lassen die Dardennes ihre Personen nicht im Elend stecken, sondern eröffnen ihnen die Chance auf das bessere Leben, von dem sie träumen.
Geradezu herzerwärmend endet der neue Film der Brüder Dardenne. Da hören Julie und Dylan, die sehr, sehr jungen Eltern von Mia, zu, wie ihre frühere Lehrerin und zukünftige Trauzeugin für sie etwas auf dem Klavier spielt: den Marsch aus Mozarts Sonata N. 11, „alla turca“. Und für einen Augenblick ist da das pure Glück. Oder doch die Hoffnung, dass ein gelingendes Leben möglich ist. Wenigsten für die drei, für Julie, die Friseurin lernt, den Bäckerlehrling Dylan und ihr Baby.
Julie ist eine der fünf Mütter, von denen JEUNES MÈRES erzählt, ein Episodenfilm, in dem diese so unterschiedlichen Menschen verbunden sind durch die Widrigkeiten des Lebens, Drogen, Missbrauch, Gewalt inklusive. Sie haben Zuflucht, Hilfe und Ordnung gefunden in einem Heim der Familienfürsorge. Leicht wird es nicht für diese Fast-noch-Kinder, die nun Mütter sind, sich ihre Zukunft zu erkämpfen. Daran lassen die Dardennes keinen Zweifel. Aber als trotz allem unerschütterliche Optimisten lassen sie ihre Personen nicht im Elend stecken, sondern eröffnen ihnen die Chance auf das bessere Leben, von dem sie träumen. Das kann aber auch heißen: das Kind wegzugeben in eine Pflegefamilie, in eine Zukunft, in der es Saxofon spielen wird oder Geige.
Ein Wohlfühlfilm? Nein. Aber wieder einer, der zu Empathie auffordert – und dazu keine soften Streicherklänge benötigt. Der Mozart am Schluss und etwas verzerrt aus einem Babyphon – viel mehr Musik ist nicht. Braucht es nicht, um einzunehmen für die jeunes mères. Das besorgen die quasi dokumentarische Kameraführung, die einem das Gefühl vermittelt, hier spiele das Leben selbst, sowie die genaue Beobachtung von alltäglichen Details wie der absplitternde rote Lack eines Daumennagels. Und, nicht zuletzt, die in allen Rollen überzeugende Besetzung.
Originaltitel: Jeunes meres
Belgien 2025, 105 min
Sprache: Französisch
Genre: Drama
Regie: Luc Dardenne, Jean-Pierre Dardenne
Drehbuch: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Kamera: Benoît Dervaux
Schnitt: Tristan Meunier, Marie-Hélène Dozo
Verleih: Wild Bunch Germany
Darsteller: Babette Verbeek, Elsa Houben, Janaïna Halloy Fokan
Kinostart: 05.03.2026
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