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It's Never Over, Jeff Buckley

Sensibler Super-Singer-Songwriter

Der Film stemmt sich gegen das Bild, dass Jeff Buckley an Drogenmissbrauch gestorben ist und dass er permanent depressiv gewesen wäre.

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IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY ist eine klassische Musikerdoku mit Talking Heads und Archivmaterial. Die Doku dürfte eher keine Reaktion darauf sein, dass Buckleys Song „Lover, You Should’ve Come Over“ 2025 auf TikTok viral gegangen ist und inzwischen sogar seine Version von Leonard Cohens „Halleluja“ als meistgestreamter Song überholt hat, aber passend zum neuen Interesse an Buckley kommt der Film damit schon.

Jeff Buckley war ein ganz anderer Typ Musiker als die Stars von heute. In den letzten Jahren vor der Verbreitung des Internets gab es für die meisten Fans kaum etwas von ihm zu sehen. Es gab das Album „Grace“ (1994), aber Buckley hatte wenig Interesse an Interviews und Promo-Auftritten. Einmal hostete er eine Show bei MTV, er tourte ausgiebig, auch in Europa. Viele aber entdeckten Jeff Buckley erst nach seinem Tod. Die Doku zeigt das Charisma und die Sensibilität von Jeff Buckley, lässt aber auch einige wichtige Teile seiner Karriere aus. Dass viele Songs auf „Grace“ in Kollaboration mit Gary Lucas entstanden sind, wird nicht erwähnt. Lucas, der eine Zeit lang Gitarrist von Captain Beefheart war und immer noch schöne Alben aufnimmt, kommt einfach nicht vor.

Jeff Buckley war ein herausragender Sänger, dessen Stimmumfang über vier Oktaven ging, aber er singt mit einer autodidaktisch geübten, natürlichen Stimme, wie man sie aktuell im Pop nicht mehr hören kann. Er hat die Qawwali-Gesangstechnik der Sufis von Aufnahmen Nusrat Fateh Ali Khans gelernt - und dem Meister später vorgesungen, weil sie sich nicht unterhalten konnten. Er coverte Benjamin Britten, Nina Simone, Bob Dylan und Led Zeppelin. So ein breites musikalisches Spektrum war in den neunziger Jahren ungewöhnlich.

Der Film stemmt sich gegen das Bild, dass Jeff Buckley an Drogenmissbrauch gestorben ist und dass er permanent depressiv gewesen wäre. Buckley wirkt in den Aufnahmen zwar getrieben, aber durchaus wie ein fröhlicher Typ, der viel Spaß mit der Musik, mit Freunden und Geliebten hatte. Etwas drüber, hyperaktiv und manchmal auch depressiv, wenn der Druck wächst, aber immer so klar im Kopf, wie Leute das zwischen 20 und 30 eben sind.

Buckleys Musik gilt als „ehrlich“, aber eigentlich geht es wie für alle mitteljungen Leute eher darum, sich aus dem ganzen Krempel, den man im Kopf angesammelt hat, endlich eine Identität zu basteln, die das alles auffangen kann: die Traurigkeit, den Schmerz, das Vergnügen, die Wut. Bei Jeff Buckley, der seinen Vater, den ebenso sensiblen und noch besseren Songschreiber Tim Buckley (start with: „Phantasmagoria in Two“, „Pleasant Street“, „Song to the Siren“), nur für eine Woche, kurz vor dessen Tod mit 28 Jahren (Heroin), kennengelernt hatte und bei seiner 17 Jahre alten Hippie-Mutter aufwuchs, liegt der Schmerz vielleicht etwas weiter an der Oberfläche als bei den meisten. Die Idee, unbedingt ins Pantheon der Super-Singer-Songwriter aufzusteigen und aus dem Schatten von Tim zu treten, war verständlich, aber eine schwere Last. Jeff Buckley überlebte seinen Vater um drei Jahre. Er starb, als er auf die Idee kam, in voller Bekleidung an der falschen Stelle baden zu gehen.

Wer mehr von Jeff Buckley hören will als „Grace“, macht am besten mit „Songs to Noone“ weiter, einem Album, das Aufnahmen mit Gary Lucas enthält, die vor „Grace“ entstanden sind. Eine gute Einführung in Tim Buckleys Musik ist „Dream Letter“, eine Live-Aufnahme von 1968.

Tom Dorow

Details

USA 2025, 107 min
Genre: Dokumentarfilm, Biografie, Musikfilm
Regie: Amy Berg
Kamera: Alex Takats, Curren Sheldon, Wolfgang Held, Jenna Rosher
Schnitt: Brian A. Kates Stacy Goldate
Verleih: Piece of Magic Entertainment
Kinostart: 09.04.2026

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It's Never Over, Jeff Buckley

USA 2025 | Dokumentarfilm, Biografie, Musikfilm | R: Amy Berg

Der Film stemmt sich gegen das Bild, dass Jeff Buckley an Drogenmissbrauch gestorben ist und dass er permanent depressiv gewesen wäre.

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