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Isadoras Kinder

Auf Samtpfoten

In voneinander unabhängigen Teilen erforscht der Film durch die Bewegungen von vier Frauen die Geschichte der Tänzerin Isadora Duncan, die bei einem Unfall 1913 ihre beiden Kinder verlor und ihre Trauer in eine Choreografie verwandelte.

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Sanft wie ein Schlaflied wirkt der ganze Film: Stille Einstellungen, langsame Tanzschritte, gedeckte Farben. Damien Manivels ISADORAS KINDER kommt auf Samtpfoten daher. In voneinander unabhängigen Teilen erforscht er durch die Bewegungen von vier Frauen die Geschichte der Tänzerin Isadora Duncan, die bei einem Unfall 1913 ihre beiden Kinder verlor und ihre Trauer in eine Choreografie verwandelte. Die amerikanische Tänzerin und Choreografin, die als Vorreiterin des modernen Ausdruckstanzes gilt, schrieb das Solo „Mother“, in dem der Moment des Abschieds in eine Geste verwandelt wird.
Immer wieder wiegt die Frau, die zuerst als Alter Ego Duncans agiert, die Schauspielerin Agathe Bonitzer, ein imaginäres Kind in den Armen. Später wird eine junge Frau mit Down-Syndrom in den Tanzstunden und im Austausch mit ihrer Lehrerin ihre eigene Interpretation dieses Verlusts und der Rolle einer Mutter zeigen. Isadora Duncans Überzeugung sei es gewesen, wird der Schülerin erklärt, dass der Tanz niemandem gehöre, aber dass jede*r eine eigene Geste für ihn finden müsse. Im letzen Teil folgt Noé Bachs sensible Kamera einer älteren Frau auf dem Weg nach Hause bis in die Einsamkeit ihrer Wohnung – auch dort scheinen Geschichte und Vergessenes in Gesten erzählt zu werden.
In traumähnlichen Bildern lässt Manivel, der früher selbst Tänzer war, mehr ein Gefühl für Isadora Duncans Werk aufkommen, als dass er es erklären möchte: Ohne viele Worte, durch die Körper der Frauen unterschiedlichen Alters und Aussehens, lässt er nicht nur den Zuschauenden ihren eigenen Zugang zum Gezeigten offen, sondern stellt die Frage, wie ein Kunstwerk – in diesem Fall eine Reihe von Bewegungen –, von denen es keine bildliche Spur, bloß noch eine Partitur gibt, ein Jahrhundert überdauern kann. Filigran wirken die Bilder, die er dafür findet: Die Gesten des Films sind eine weitere Art, die Erinnerung aufleben zu lassen.

Lili Hering

Details

Originaltitel: Les Enfants d'Isadora
Frankreich/Südkorea 2019, 84 min
Genre: Drama, Tanzfilm
Regie: Damien Manivel
Drehbuch: Damien Manivel, Julien Dieudonné
Kamera: Noé Bach
Schnitt: Dounia Sichov
Verleih: eksystent distribution
Darsteller: Agathe Bonitzer, Manon Carpentier, Marika Rizzi, Elsa Wolliaston
Kinostart: 19.03.2020

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