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Inherent Vice

Pynchon-Verfilmung als Hippie-Elegie

Paul Thomas Anderson hat einen Thomas Pynchon-Roman verfilmt. Im Los Angeles von 1970 versucht der Hippie-Detektiv Doc Sportello (Joaquin Phoenix), herauszufinden, was mit seiner verschwundenen Freundin Shasta Fay (Katherine Waterstone) geschehen ist, die sich mit einem Immobilienhai eingelassen hat.

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Paul Thomas Anderson hat einen Thomas Pynchon-Roman verfilmt. INHERENT VICE ist der zugänglichste von Pynchons Romanen, die ohnehin allesamt voller Anspielungen auf das Kino stecken. Wer allerdings noch keinen Pynchon gelesen hat, wird vermutlich auch von der Verfilmung ziemlich verwirrt sein. Im Los Angeles von 1970 versucht der Hippie-Detektiv Doc Sportello (Joaquin Phoenix), herauszufinden, was mit seiner verschwundenen Freundin Shasta Fay (Katherine Waterstone) geschehen ist, die sich mit einem Immobilienhai eingelassen hat. Doc findet sich ziemlich schnell neben einem toten Nazi-Biker wieder. Irgendetwas hat das alles mit einem Syndikat namens „Golden Fang“ zu tun, das einerseits ein Abschreibungsprojekt für Zahnärzte, andererseits ein Waffen- und Drogenring zu sein scheint. Am Ende sieht der Fall halbwegs aufgeklärt aus, nur der Nazi-Biker ist immer noch tot.
Pynchons Witz liegt im Roman in den Details, den doppelbödigen Dialogen, den absurden Settings und den irrwitzigen Übergängen zwischen der Hipster-Welt Sportellos und der „Flatland“-Welt der Bürger, die immer die eigentliche Gefahr darstellt. Von der Rauschhaftigkeit, die Pynchons Pointen- und Anspielungsoverkill immer mit sich bringt, ist in Andersons Film nicht viel übrig geblieben. Anderson ist ein sachlicher Regisseur, der eher analytisch als rauschhaft inszeniert. Sein Film wirkt trotz zahlreicher Gags und vieler Pynchon-Bonmots wie eine spröde, melancholische Elegie auf die Idee einer Gegenkultur, die von vornherein chancenlos war. Joaquin Phoenix als Doc ist 15 Jahre älter als die Romanfigur und wirkt schon am Anfang des Films, als hätte er mehr gesehen, als ihm gut tut. Katherine Waterstone umgibt eine abgrundtiefe Traurigkeit. Andersons Film wird als der neue Stoner-Film in der BIG LEBOWSKI-Tradition vermarktet, aber sehr weit führt der Vergleich nicht. Bei allen Späßen geht es hier um das Ende von etwas.

Tom Dorow

Details

USA 2015, 149 min
Genre: Drama, Krimi
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
Kamera: Robert Elswit
Schnitt: Leslie Jones
Musik: Jonny Greenwood
Verleih: Warner Bros.
Darsteller: Benicio Del Toro, Owen Wilson, Joaquin Phoenix, Reese Witherspoon, Eric Roberts, Josh Brolin, Jena Malone, Michael K. Williams, Sasha Pieterse
FSK: 16
Kinostart: 12.02.2015

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