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Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war

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Schillings Bachmann-Film ist auch eine Fortsetzung ihrer historischen Arbeit an der sexistischen, verpanzerterten Nachkriegs-Kultur in Deutschland und Österreich.

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“Unsere Geisterbeschwörung, unsere Seance” nennt Regina Schilling ihren Dokumentarfilm INGEBORG BACHMANN – JEMAND, DER ICH EINMAL WAR. Ihr Medium ist dabei Sandra Hüller, die Ingeborg Bachmanns Texte immer dann liest, wenn kein O-Ton verfügbar ist, die Bachmann auf der Leinwand darstellt, und zugleich immer wieder zeigt, dass sie eben nicht Bachmann ist, sondern die Vermittlerin von Schillings Regie-Ideen.

Schilling hat zuletzt mit KUHLENKAMPFS SCHUHE und DIESE SENDUNG IST KEIN SPIEL – DIE UNHEIMLICHE WELT DES EDUARD ZIMMERMANN genau die Aspekte der deutsch-österreichischen Nachkriegskultur porträtiert, gegen die Ingeborg Bachmanns Texte ein Element des Widerstandes bildeten. Schillings Bachmann-Film ist auch eine Fortsetzung der historischen Arbeit an dieser sexistischen, verpanzerterten Nachkriegs-Kultur. Ihre Filme nutzen die Mittel der Collage, entstehen aus Archivbildern und -tönen, Spielszenen, assoziativen Bild- und Musikelementen. Ihr Bachmann-Film ist eine zutiefst subjektive Arbeit, die kein verlässliches Porträt der Autorin liefern will. Stattdessen versucht der Film vor allem aus den in den letzten Jahrzehnten veröffentlichten Briefwechseln, Fragmenten des “Todesarten”-Projekts und autobiografischen Aufzeichnungen Bachmanns Seelenleben zu ergründen. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Bachmanns sich wandelnder Selbstverortung in ihrer Rolle als Frau – oder als zwischengeschlechtliches Wesen, als das Bachmann sich mindestens zeitweise sah. Während sie zunächst schreibt, sie fühle sich in Männergesellschaft wohler als unter Frauen, endet der Film mit ihrer Aussage, alle Männer seien krank, und diese Krankheit sei unheilbar.

Das bringt es mit sich, dass Ingeborg Bachmanns schriftstellerische und dichterische Arbeit diesem Zweck untergeordnet wird, und das Bachmann hier vor allem als Leidende gezeigt wird. Zwar wird Sandra Hüller immer wieder an der Schreibmaschine gezeigt (und ausdrucktanzend, zusammenbrechend, trinkend und betrunken torkelnd, Kleider anprobierend, um die „richtige“ weibliche Präsentationsform zu proben), aber von ihren Gedichten taucht nur „Die gestundete Zeit“ im Volltext auf. „Die Anrufung des Großen Bären“ dient als formales Demonstrationsmaterial für den bundesrepublikanischen Vorzeige-Rhetoriker Walter Jens, der auf einzelne Wendungen mit dem Zeigestock weist, den Text vorzulesen, ist aber unter der Würde des Großdenkers. Die herausragende Bedeutung von Bachmanns Lyrik geht dabei verloren.

Wahrscheinlich ist es in Bachmanns Sinne, dass ihre Beziehungen zu dem selbst verzweifelten Paul Celan, dem schwulen Hans Werner Henze und dem patriarchalen Max Frisch nur skizziert werden. Bachmann betont in einem Interview, ihre Texte seinen nur als Beschreibungen von inneren Prozessen autobiografisch, nicht als peinliche Schilderung privater Ereignisse. Dennoch: wer Bachmann als eine Autorin gelesen hat, die auch sprachlich gegen die Unerträglichkeit der Brutalität und des Sexismus der Epoche aufbegehrte, trifft hier eher auf eine Person, mit der es schnell bergab geht, und die vor allem an Männern zerbricht. Es fehlt unter anderem Bachmanns Wut auf die Beständigkeit der verfluchten Länder Deutschland und Österreich. Aber es ist das, was Regina Schilling an Ingeborg Bachmann interessiert, und das erzählt sie berührend und auch mit einer ordentlichen Portion Wut.

Tom Dorow

Details

Deutschland/Österreich 2026, 96 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Regina Schilling
Drehbuch: Regina Schilling
Kamera: Johann Feindt
Verleih: Weltkino Filmverleih
Darsteller: Sandra Hüller
Kinostart: 25.06.2026

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Ingeborg Bachmann - Jemand, der einmal ich war

Deutschland/Österreich 2026 | Dokumentarfilm | R: Regina Schilling

Schillings Bachmann-Film ist auch eine Fortsetzung ihrer historischen Arbeit an der sexistischen, verpanzerterten Nachkriegs-Kultur in Deutschland und Österreich.

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