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Im Strahl der Sonne

Absurdes Making-of

Unter strengsten Vorgaben hat Vitaly Mansky in Nordkorea einen „Dokumentarfilm“ über ein junges Mädchen gedreht. Dabei gelang es ihm auch, nebenher und heimlich einige Szenen vom Alltag in Nordkorea und vor allem vom absurden Dreh selbst einzufangen.

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Mit Unterstützung des russischen Kulturministeriums gelang es Vitaly Mansky, in Nordkorea eine Drehgenehmigung für einen Dokumentarfilm über ein Mädchen, das kurz vor der Aufnahme bei den Jungpionieren steht, zu erhalten, wobei das Drehbuch vorab vollständig vorgelegt werden musste. Aus einer Vorauswahl von fünf Mädchen wählte Mansky die kleine Zin-Mi aus, weil sie gesagt hatte, sie lebe mit ihren Großeltern und ihren Eltern in einem kleinen Haus in der Nähe einer Bahnstation, ihr Vater sei Journalist und ihre Mutter arbeite in einer Werkskantine. Als der Dreh begann, waren zu jeder Zeit Aufpasser am Set, die jede Szene bestimmten, und schließlich zu den eigentlichen Regisseuren des Films wurden. Zin-Mi und ihre Familie lebten plötzlich in einem der schönsten Neubauten in Pjöngjang, in dem es aber nur leere Schränke gab, ihr Vater war zum Ingenieur in einer Textilfabrik mutiert, und ihre Mutter arbeitete plötzlich in einer Sojamilch-Fabrik – beides Musterbetriebe, die ihren festen Platz auf Touristentouren haben.
Mansky und seinem Team gelangen nur wenige unkontrollierte Aufnahmen: Einmal filmen sie Menschen, die einen Bus schieben, einmal angeln Kinder Essen aus einem Mülleimer, ein paar Bilder aus einem Hotelfenster. Was den Filmemachern aber gelang, war, die Kamera laufen zu lassen, während die Staatsdiener die Szenen inszenierten und damit die Absurdität des ganzen Unternehmens einzufangen. Jede hanebüchene Szene läuft auf kollektiven Jubel heraus, aber Mansky zeigt immer wieder die Risse in der Inszenierung: In der Musterwohnung wölbt sich der frischverlegte PVC-Boden, in der Musterschule gibt es keine Heizung und die Flure sind unbeleuchtet. Einmal darf Mansky der kleinen Zin-Mi zwei Fragen stellen. Er fragt, was sie sich für ihr Leben wünscht. Das Mädchen ist so verstört über die Frage, für die ihr keine Antwort diktiert wurde, dass sie zu weinen beginnt.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: V luchakh solnca
Deutschland/ Russland/ Tschechische Republik/ Nordkorea 2015, 106 min
Sprache: Koreanisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Vitaliy Manskiy
Drehbuch: Vitaliy Manskiy
Kamera: Alexandra Ivanova
Schnitt: Andrey Paperniy
Musik: Karlis Auzans
Verleih: Edition Salzgeber
FSK: 6
Kinostart: 10.03.2016

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