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Im Spinnwebhaus

Rückzug in die Märchenwelt

Als die Mutter erklärt, sie müsse an einen mythischen Ort namens Sonnental gehen, um ihre „Dämonen“ zu bekämpfen, ernennt sie den zwölfjährigen Jonas zum Familienoberhaupt auf Zeit. Aus einem Wochenende werden Wochen und während es Jonas erstaunlich lange schafft, seine kleineren Geschwister zu versorgen und anch außen kein Misstrauen zu erregen, verwandelt sich das Haus der Zurückgelassenen in das märchenhafte Spinnenwebhaus,

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Die Welt der Märchen ist schwarzweiß; sie ist hart und brutal, sicherlich, aber eben auch vollkommen eindeutig, mit klaren Grenzen und leicht zu identifizierenden Wirkungsmechanismen. In der Welt, die wir Realität nennen, gibt es stattdessen nur Grau mit seinen unzählbaren Schattierungen, die an den jeweiligen Enden aufweichen und sich verflüchtigen. Die sensibel-labile Sabine (Sylvie Testud) zerbricht an der Verantwortung als alleinerziehende Mutter dreier Kinder und an ihrem Alltag. Nur indem sie ihr Leben minutiös durchgetaktet kann sie das Bild nach Außen aufrechterhalten kann, dass sie alles im Griff hat. Ihr ältester Sohn, der zwölfjährige Jonas (Ben Litwinschuh), hat keine Wahl: Er muss die Rolle des abwesenden Vaters übernehmen. Als die Mutter erklärt, sie müsse an einen mythischen Ort namens Sonnental gehen, um ihre „Dämonen“ zu bekämpfen, ernennt sie ihn zum Familienoberhaupt auf Zeit, mit der Aussicht auf ein besseres Leben nach ihrem Sieg. Aus einem Wochenende werden Wochen und während es Jonas nach außen hin erstaunlich lange schafft, kein Misstrauen zu erregen – er bringt den hyperaktiven Nick (Lutz Simon Eilert) rechtzeitig zum Schulbus und das kleine Miechen (Helena Pieske) in die Kita –, verwandelt sich das Haus der Zurückgelassenen in das märchenhafte Spinnenwebhaus, einen sicheren Rückzugsort, dessen Geheimnis um jeden Preis gegen Eindringlinge gewahrt bleiben muss. Regisseurin Mara Eibl-Eibesfeldt transformiert mit ihrem Debütfilm IM SPINNENWEBHAUS den Stoff eines Sozialdramas durch einen Perspektivwechsel zu einem märchenhaften Abenteuerfilm, der durch das beständige Bewusstsein um die beiden konkurrierenden Weltsichten an Wucht gewinnt. Dazu tragen vor allem auch die beeindruckende Leistung der Kinderdarsteller und natürlich die exzellente Bildästhetik des Kamera-Altmeisters Jürgen Jürges bei.

Jens Mayer

Details

Deutschland 2015, 89 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama, Fantasy
Regie: Mara Eibl-Eibesfeldt
Drehbuch: Johanna Stuttmann
Kamera: Jürgen Jürges
Schnitt: Karl Riedl
Musik: Jörg Lemberg
Verleih: missingFilms
Darsteller: Ben Litwinschuh, Helena Pieske, Lutz Simon Eilert
FSK: 12
Kinostart: 31.03.2016

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