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Im Schatten des Orangenbaums

Hochemotionales Familienporträt

Die palästinensisch-amerikanische Regisseurin Cherien Dabis zeichnet ein episches, sehr persönliches Porträt einer palästinensischen Familie über drei Generationen – von 1948 bis 2022.

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Szenen wie aus den aktuellen Nachrichten: Als der junge Noor bei einer Demonstration im Westjordanland der 80er Jahre schwer verletzt wird, müssen seine Eltern eine schwere Entscheidung treffen. In ihren Erinnerungen verweben sich drei Generationen einer palästinensischen Familie zu einer dichten Erzählung von Krieg, Vertreibung und persönlichen Schicksalsschlägen, die von 2022 bis zurück ins Jahr 1948 reicht. Damals kämpfte Noors Großvater dafür, in Jaffa zu bleiben und das Familienerbe mit dem Haus am Orangenhain zu bewahren. Sein Sohn, Noors Vater, versucht später, trotz aller Entwurzelung ein sicheres Familienleben zu ermöglichen. Doch als Noor im jungen Alter miterlebt, wie sein Vater von einem israelischen Soldaten gedemütigt wird, beginnt der Teufelskreis aus Gewalt und Widerstand erneut.

Die palästinensisch-amerikanische Regisseurin Cherien Dabis, die als Noors Mutter selbst im Film zu sehen ist, zeichnet ein episches, hochemotionales Familienporträt. Von ihrer eigenen Geschichte inspiriert, erhebt sie dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit: In etwas mehr als zwei Stunden kann und soll der Spielfilm den israelisch-palästinensischen Konflikt nicht komplett abbilden, aber „den Kontext, den zu viele Menschen nicht kennen, zumal aus dem Kino“, wie Dabis im Interview erklärt. Am Anfang steht die Großaufnahme von ihr als Noors gealterte Mutter, die direkt zum Publikum spricht und versichert, dass es normal ist, nicht zu verstehen, wenn man zu wenig übereinander weiß. Das wirkt wie ein Angebot – und setzt gleichzeitig den Ton für ein heißkaltes Gefühlsbad zwischen Hoffnung auf Frieden und generationsübergreifendem Trauma.

Tief berührend sind auch die echt wirkenden Beziehungen zwischen den männlichen Protagonisten, die fast alle mit der in der MENA-Region bekannten Schauspiel-Familie Bakri besetzt sind: Altstar Mohammad Bakri spielt den alten Großvater Sharif, den die Erinnerung an das Haus in Jaffa nicht loslässt; sein Sohn Adam Bakri spielt Sharif in jüngeren Jahren, und dessen Bruder Saleh Bakri ist Vater Salim, der ab 1978 das demütigende Leben unter der Besatzung verkörpert und als friedvoller Lehrer versucht, die palästinensische Poesie sprechen zu lassen. Enkelsohn Noor wird von Muhammad Abed Elrahman gespielt, einem Großneffen von Mohammad Bakri.

Die Dreharbeiten sollten eigentlich im Oktober 2023 beginnen, kurz vor dem 7. Oktober. Dass in den letzten zwei Jahren der Film fertiggestellt werden konnte und jetzt in die Kinos kommt, gleicht einem Wunder. Dass er trotz oder gerade wegen seiner explizit palästinensischen Perspektive von vielen gesehen und diskutiert wird, ist zu hoffen.

Anna Hantelmann

Details

Originaltitel: All That's Left Of You
Deutschland/ Zypern/ Palästina/ Jordanien/ Griechenland/ Katar/ Saudi-Arabien 2025, 145 min
Sprache: Arabisch, Englisch
Genre: Drama, Romance
Regie: Cherien Dabis
Drehbuch: Cherien Dabis
Kamera: Christopher Aoun
Schnitt: Tina Baz
Musik: Amin Bouhafa
Verleih: X Verleih
Darsteller: Cherien Dabis, Saleh Bakri, Mohammad Bakri, Maria Zreik
Kinostart: 20.11.2025

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Im Schatten des Orangenbaums

(All That's Left Of You) | Deutschland/ Zypern/ Palästina/ Jordanien/ Griechenland/ Katar/ Saudi-Arabien 2025 | Drama, Romance | R: Cherien Dabis

Die palästinensisch-amerikanische Regisseurin Cherien Dabis zeichnet ein episches, sehr persönliches Porträt einer palästinensischen Familie über drei Generationen – von 1948 bis 2022.

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