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I Am Greta

Fragile Kämpferin

Respektvoll und einfühlsam zeigt I AM GRETA eine fragile Kämpferin, die so viel auf sich nimmt, dass sie sehr treffend mit Jeanne D'Arc verglichen worden ist.

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I AM GRETA verspricht schon im Titel eine persönliche Erfahrung aus der Mitte der Klimabewegung. Der Blick der Kamera ist jedoch nicht der von Greta Thunberg selbst, sondern der zurückhaltende, unsichtbare Blick des Regisseurs und Kameramanns Nathan Grossman. Seit ihren ersten Schulstreiks im Herbst 2018 begleitet Grossmann Greta Thunberg auf ihren nervenzehrenden Reisen durch die Welt – immer in Begleitung ihres Vaters Svantje, der darauf achtgibt, dass die Trägerin des alternativen Nobelpreises über Ansprachen und Demonstrationen das Essen nicht vergisst. Grossmann partizipiert jedoch nicht an dem Voyeurismus, dem Thunberg mit zunehmender Popularität ausgeliefert wird und der sich zu erbsenzählerischen Bilanzierungen ihres persönlichen CO2-Verbrauchs oder übergriffigen Spekulationen über ihren Geisteszustand (alles nur Asperger) ausgewachsen hat. Grossmanns Blick bleibt einfühlsam und respektvoll. Er zeigt eine fragile Kämpferin, die so viel auf sich nimmt, dass sie sehr treffend mit Jeanne D'Arc verglichen worden ist.
Doch I AM GRETA zeigt noch mehr als das. Er zeigt, wieviel Energie die Pendelbewegung zwischen Hoffnung und Pessimismus in einer einzelnen Person freisetzen kann. Vor ihrer spektakulären Atlantiküberfahrt in einem Hochgeschwindigkeits-Segelboot sagt Thunberg: "I want to prove that it is possible to live sustainably today" („Ich will beweisen, dass es möglich ist heute nachhaltig zu leben“) – und kauert dann unglücklich in einer Ecke des hochtechnisierten Schiffes, auf das die Wellen einschlagen, starrt seekrank vor sich hin und spricht durch eine wasserfeste Handyhülle in ihr Tagebuch, bis sie in New York auf der bis jetzt größten Klimademonstration eine geschliffene Rede hält. Thunbergs Aktivismus ist ein Trotzdem: sie zeigt nicht, wie einfach es ist, nachhaltig zu leben, sondern wie unmöglich. Und trotzdem zeigt sie es. Ihr Aktivismus ist nicht einer zynischen Nutzenkalkulation oder fröhlicher Verdrängungsarbeit geschuldet, sondern einem ethischen Imperativ des Handelns.

I AM GRETA verzichtet darauf, eine einfache Anleitung zum Weltverändern zu liefern. Wie NOW und YOUTH UNSTOPPABLE versetzt er trotzdem einen Stoß optimistischer Energie. Diese sinnvoll zu nutzen und nicht in die Erkenntnis der eigenen Ohnmacht zurückzufallen, bleibt uns allerdings selbst überlassen.

Yorick Berta

Details

Schweden 2020, 97 min
Sprache: Englisch, Schwedisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Nathan Grossman
Drehbuch: Nathan Grossman
Kamera: Nathan Grossman
Schnitt: Charlotte Landelius, Hanna Lejonqvist, Magnus Svensson
Musik: Jon Ekstrand, Rebekka Karijord
Verleih: Filmwelt
Darsteller: Greta Thunberg
FSK: oA
Kinostart: 16.10.2020

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