
Neue Notiz
How to Be Normal
Gedankensprünge
In jeder der rasant aufeinanderfolgenden Einstellungen verstecken sich liebevolle Details und popkulturelle Querverweise, und das Bildformat wechselt mit jedem Gedankensprung der Protagonistin.
Pia (Luisa-Céline Gaffron) ist in ihren Zwanzigern, wurde frisch aus der stationären psychiatrischen Behandlung entlassen und muss sich in eine Welt integrieren, die in jeder Hinsicht gegen sie zu sein scheint: Ihre Eltern Elfie (Elke Winkens) und Klaus (Cornelius Obonya) können sich kein Verständnis für die Symptome ihrer Tochter abringen, Pias alte Freund*innen, insbesondere ihr Ex-Freund Joni (Felix Pöchhacker), zweifeln weiterhin an ihrer geistigen Gesundheit, und die täglich einzunehmenden Medikamente haben mehr Nebenwirkungen als Nutzen. Anstatt auf Pia einzugehen und den Versuch zu unternehmen, sie zu verstehen, projizieren die Menschen um sie herum nur ihre eigenen Vorurteile und Probleme auf sie – bis nicht mehr von ihr übrig ist als eine löchrige Scheibe Gouda. „Da ist keine Haut mehr zwischen mir und der Welt“.
HOW TO BE NORMAL ist ein Feuerwerk der Kreativität: In jeder der rasant aufeinanderfolgenden Einstellungen verstecken sich liebevolle Details und popkulturelle Querverweise, das Bildformat wechselt mit jedem Gedankensprung der Protagonistin, und der trocken surreale Humor durchzieht die aufreibende Erzählung wie ein roter Faden. Doch trotz aller Zitate ist die Handschrift von Regisseur Florian Pochlatko klar erkennbar. In seinem Debütfilm gelingt ihm die differenzierte Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen, indem er ausschließlich aus der unverlässlichen Perspektive der betroffenen Protagonistin erzählt. Er erforscht Folgen, statt wie so oft nach Ursachen zu suchen. Wenig subtil, aber nie mit dem Holzhammer. Während er in einer Szene noch mediale Klischees dekonstruiert, lässt er schon in der nächsten einen Therapeuten zu „What is Love“ stepptanzen. HOW TO BE NORMAL ist ein Schlag ins Gesicht und die humorvolle Entschuldigung zugleich.
Originaltitel: How to Be Normal and the Oddness of the Other World
Österreich 2025, 102 min
Genre: Drama
Regie: Florian Pochlatko
Drehbuch: Florian Pochlatko
Kamera: Adrian Bidron
Schnitt: Julia Drack
Musik: Rosa Anschütz, Jan Wagner
Verleih: W-Film
Darsteller: Luisa-Céline Gaffron, Elke Winkens, Cornelius Obonya, Felix Pöchhacker, David Scheid
Kinostart: 11.09.2025
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