Entfernung über GPS
ab PLZ

Hotel Jugoslavija

Das „Hotel Jugoslawija“ war einst das Aushängeschild Jugoslawiens. Der in Belgrad geborene und in der Schweiz aufgewachsene Filmemacher Nicola Wagnière denkt am Beispiel des staatstragenden Hotels über private und kollektive Erinnerung, Staatengründung und –niedergang nach.

Mehr

Aus den Genoziden des zweiten Weltkriegs ging auf dem Balkan die sozialistische Republik Jugoslawien hervor, in der ihr Diktator Josip Tito die verschiedenen Nationen und Bevölkerungsgruppen zu einen suchte. Jugoslawien widersetzte sich sowohl dem stalinistischen als auch dem kapitalistischen Block und versuchte, ethnische und religiöse Konflikte mit harter Hand und kommunistischer Brüderlichkeitspropaganda zu befrieden. Was das Erbe dieses in Bürgerkriegen versunkenen Jugoslawiens ist, und wie sich seine Geschichte aufarbeiten und erzählen lässt, das sind die Fragen, denen sich Nicolas Wagnières HOTEL JUGOSLAVIJA stellt.
"Als Kind hatte ich einen jugoslawischen Pass und bin seltsam nostalgisch nach einem Land, in dem ich nie lebte. Wie ein mythologischer Herkunftsort, ein verlorenes Königreich. Etwas, das man nie wiederfinden wird, und das doch ein Teil von uns ist", erzählt Wagnières auf seiner Expedition durch das zerstörte Hotel Jugoslavija, das marode "Grand Hotel auf dem Balkan", Monument des zerfallenen Großreichs. Wagnières, geboren in Belgrad und aufgewachsen in der französischen Schweiz, nähert sich diesem Ort als Betroffener und außenstehender Beobachter zugleich. Er berichtet von seiner seltsamen Faszination für sein Geburtsland und besonders das Hotel Jugoslavija, das Aushängeschild des "blockfreien" Jugoslawiens.
Während Wagnières aus dem Off erzählt, fährt die Kamera langsam durch die Räume des Jugoslavija und macht die vergangene, bewegte Zeit an diesem Ort beinahe räumlich fühlbar. Im Verbund mit Wagnières Kontemplationen über Geschichte und Identität lässt dies an die Essayfilme von Alain Resnais oder Chris Marker denken. Wie diese Vorbilder gibt sich Wagnières keiner platten Symbolik hin, die das pars pro toto des Hotel Jugoslavija provoziert. Sein Film ist anregend, zurückhaltend und durchaus unterhaltsam.
Yorick Bertha

Yorick Berta

Details

Schweiz/ Deutschland/ Serbien-Montenegro 2017, 78 min
Sprache: Französisch, Serbisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Nicolas Wagnières
Drehbuch: Nicolas Wagnières
Kamera: Denis Jutzeler, Benoït Peverelli, Nicolas Wagnières
Verleih: dejà-vu film
Kinostart: 21.02.2019

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.