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Mühen des Alltags

Ein schöner, kuscheliger, gemeinsamer Abend zu zweit steht an! Und so scrollen sie sich durch die Filme im Streamingangebot – und finden nichts.

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Er und sie haben unverhofft einen freien Abend. Ein schöner, kuscheliger, gemeinsamer Abend zu zweit! Und so scrollen sie sich durch die Filme im Streamingangebot – und finden nichts. Eine Barbesitzerin in der Ukraine, die über sich hinauswächst. Ein kaltherziger Mann, der konfrontiert wird. Jugendliche, die Drogen nehmen, und andere, die Drogen nehmen in den 90ern, und eine Doku über Bootsflüchtlinge, und eine Doku über Klimakleber. Einmal bricht es aus ihr heraus: Ich will eine Doku über Tierbabys! Es gibt aber nur eine über Tiere, die vom Menschen vertrieben, getötet, ausgerottet werden.

Nicht zuletzt die Möglichkeit, pointiert und scharf die Filmwelt zu parodieren, war wohl Auslöser für diesen Film: Dietrich Brüggemann hat ihn mit wenig Budget und wenig Aufwand, dafür mit umso größerer Effizienz und Effektivität inszeniert als Satire – nein: als Realitätsbeschreibung des ganz normalen Lebens: Er beschreibt nämlich schlicht die Mühen des Alltags. Es sind Mühen, die wir uns selbst machen im Bemühen, das Möglichstbeste zu finden. Er schildert seine Figuren als Protagonisten einer Generation, die keine Entscheidungen mehr fällen will (oder kann), die alle Bedenken gleichzeitig mitanalysiert. Und die dann auch noch einer menschenhassenden Technik ausgesetzt ist, willkürlichem Ausloggen oder Netzausfall. Dass Brüggemann die Klischees kennt, zeigt er in seinen ironischen Beschreibungen des Streamingangebots mit seinen formelhaften Problemfilmen und den erzwungenen Feelgood-Konventionen. In seinem Film weiß er, diese Klischees zu umschiffen. Und wenn sein Film Gefahr läuft, selbst der Langeweile zu erliegen, die seine Figuren umfängt – genau dann passiert etwas Neues. Vielleicht nicht gerade etwas Tolles für die Figuren – aber etwas sehr Unterhaltsames fürs Kinopublikum.

Harald Mühlbeyer

Details

Deutschland 2025, 85 min
Sprache: Deutsch
Genre: Komödie
Regie: Dietrich Brüggemann
Drehbuch: Dietrich Brüggemann
Kamera: Alexander Sass
Schnitt: Dietrich Brüggemann
Musik: Dietrich Brüggemann
Verleih: Zorro Film
Darsteller: Nadine Dubois, Joseph Bundschuh, Karoline Teska, Anna Brüggemann, Folke Renken
Kinostart: 21.05.2026

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