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Höhere Gewalt

Der Patriarch in der Krise

Tomas, Ebba und ihre Kinder sitzen auf der Terrasse ihres Luxushotels in einem Skiresort in den Schweizer Alpen und sehen einer kontrollierten Lawine zu. Die Lawine kommt näher. Panik bricht aus. Ebba greift die Kinder. Tomas flüchtet... Als sich der Staub gelegt hat nimmt die Familienkrise ihren Lauf.

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Vater Tomas, Mutter Ebba und die Kinder Vera und Harry sitzen auf der Terrasse ihres Hotels in einem Skiresort in den Schweizer Alpen und genießen den Ausblick. Eine Lawine bricht los. „Das sind kontrollierte Lawinen. Die haben das alles im Griff“, sagt Tomas und zückt sein Fotohandy. Die Lawine kommt näher. Plötzlich erreicht der Schneestaub die Terrasse und Panik bricht aus. Ebba greift die Kinder. Tomas flüchtet. Als die Schneewolke sich legt, ist Ebba alleine mit den Kindern und Tomas kommt einige Zeit später zurück, als ob nichts geschehen wäre. Dabei wissen alle, dass gerade etwas ganz Grundlegendes aus dem Ruder gelaufen ist. HÖHERE GEWALT beobachtet, wie diese „primal scene“ – der Vater flüchtet und lässt die Familie im Stich – sich langsam in die Familienharmonie frisst. Ebba versucht, anzusprechen, was sie gerade erlebt haben, Tomas wiegelt ab, die Kinder sind störrisch. Dann kommen Freunde dazu, denen Ebba ihr Leid klagt. Jeden Urlaubstag dreht sich das Rad der Vorwürfe und Schuldgefühle eine Runde weiter.
Das Kammerspiel der bürgerlichen Familie in der Krise inszeniert Ruben Östlund genüsslich vor der großen Oper der Ski-Resort-Welt, die hier eine dunkle und industrielle Note hat. Der Himmel ist meist wolkenverhangen und grau, statt weiter Blicke gibt es Nebel satt und Nachts hört man die Kanonen des Lawinenschutzes donnern und sieht die Schneemaschinen mit ihren blinkenden Lichtern in der menschenleeren Schneelandschaft umherfahren wie Roboter, die in einem Science Fiction Film die Weltherrschaft übernommen haben. Ein sehr feiner, sehr eigenwilliger Sinn für Humor durchzieht den Film. Das Drama ist durchaus ernst, aber immer wieder überdreht Östlund eine Situation ganz dezent, bis sie die Groteske streift. Von existentiellem Drama zur Lächerlichkeit und zurück.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Turist
Schweden 2014, 118 min
Sprache: Schwedisch
Genre: Tragikomödie
Regie: Ruben Östlund
Drehbuch: Ruben Östlund
Kamera: Fredrik Wenzel, Fred Arne Wergeland
Schnitt: Jacob Secher Schulsinger
Verleih: Alamode Filmverleih
Darsteller: Kristofer Hivju, Lisa Loven Kongsli, Johannes Kuhnke, Clara Wettergren, Vincent Wettergren
Kinostart: 20.11.2014

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