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Hinter guten Türen

Manipulation und Missbrauch

Die Regisseurin Julia Beerhold nutzt das Ausmisten ihres alten Elternhauses, um Ursachen und Folgen von Manipulation und Missbrauch in ihrer Familie zu ergründen.

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Julia Beerhold ist als Schauspielerin und Sängerin bekannt und erfolgreich. Davor lagen Jahre der Sucht, der Depressionen und des Missbrauchs. In HINTER GUTEN TÜREN nutzt sie das Ausmisten ihres alten Elternhauses, um mögliche Gründe dafür zu erforschen. Ihre Kindheit und Jugend haben sie zu einem idealen Missbrauchsopfer gemacht, sagt sie an einer Stelle, und es fällt nicht schwer, in ihren Erinnerungen Verhaltensmuster zu finden, die typisch für Manipulation und Missbrauch sind. Beide Eltern konnten schnell und oft unvorhersehbar vom Überhäufen mit Liebe und Geschenken zu Schlägen mit der Hand oder der Reitgerte wechseln, die erst aufhörten, wenn das Opfer aufhörte, sich zu wehren. Manchmal zwangen die leidenschaftlichen Hobbyfotograf*innen und Doppel-8-Filmer*innen ihre Kinder auch direkt nach den Schlägen, für ein Erinnerungsfoto zu lächeln. Julia Beerhold nutzt das umfangreiche Bildmaterial in den Gesprächen, in denen sie mit ihrem Bruder und ihrer Mutter darüber redet, wie sie diese Zeit empfunden haben. Es ist Beweismittel dafür, woran sich jahrzehntelang niemand erinnern wollte.
Der Film macht eine Kette an immer weitergetragener Gewalt und Grausamkeit sichtbar, bei der niemand in der Familie unschuldig ist, nicht einmal Julia selbst, wie sich im Gespräch mit ihrer besten Schulfreundin herausstellt. Mit diesem Film und dadurch, dass sie keine eigenen Kinder hat, versucht Beerhold nun, diese Kette zu beenden, zumindest für sich selbst. Man merkt dem dramaturgisch etwas erratischen Film an, dass er als therapeutisches Dokument seiner Protagonistin begann. Ihre Beobachtungen und Erkenntnisse sind aber immer interessant, und können auch anderen, die die „Schwarze Pädagogik“ der vergangenen Jahrhunderte direkt oder „in zweiter Generation“ erlebt haben, helfen.

Christian Klose

Details

Deutschland 2023, 79 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm, Essayistischer Film
Regie: Julia Beerhold
Drehbuch: Julia Beerhold
Schnitt: Nicole Schmeier, Alex Bartz
Musik: Henning Schmitz
Verleih: mindjazz Pictures
FSK: 12
Kinostart: 30.05.2024

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