Entfernung über GPS
ab PLZ

Hello, I am David! – Eine Reise mit David Helfgott

Ansteckende Lebensfreude

Der australische Pianist David Helfgott galt früh als Wunderkind, nach einem Nervenzusammenbruch aber verbrachte er lange Zeit in Kliniken. Nach Jahren schaffte es David mit Hilfe seiner Frau zurück auf die Bühne. Regisseurin Cosima Lange begleitet Helfgott auf einer Konzertreise durch Europa, und es ist eine Freude, dabei sein zu dürfen.

Mehr

Unter den wichtigen Pianisten finden sich einige Idiosynkrasien. Glenn Gould, der große Bach-Interpret, hat mitgesummt während er die Goldberg-Variationen zum Besten gab. Keith Jarrett gestattet sich am Klavier die eine oder andere Eigenart, von der Köperhaltung bis zur an hustende Zuhörer gerichteten Verbalinjurie. Jarrett flankiert sein Spiel mit Brumm- oder Grunztönen. David Helfgott aber, dem dieser Dokfilm ein wunderbares Denkmal setzt, ist ein Ereignis der besonderen Art. Der australische Pianist, der mitsingt und sein Spiel kommentiert, galt früh als Wunderkind (siehe auch: SHINE von Scott Hicks), nach einem Nervenzusammenbruch aber verbrachte er lange Zeit in Kliniken, wo er wegen Symptomen von Schizophrenie und Depression behandelt wurde. Nach Jahren schaffte es David mit Hilfe seiner Frau zurück auf die Bühne. Regisseurin Cosima Lange begleitet Helfgott auf einer Konzertreise durch Europa, und es ist eine Freude, über diesen Film dabei sein zu dürfen. Stets sucht David Körperkontakt, ob im Konzertsaal nach einer Aufführung oder mitten auf der Straße. Wildfremde Menschen werden von ihm genauso geherzt wie seine Liebsten. Helfgotts Wesen ist so rührend wie einnehmend; der Vergleich mit einem kleinen Kind drängt sich auf und verbietet sich doch bei einem Virtuosen seines Schlages. Teils weiß man nicht, ob man lachen darf: Wenn David einer Flughafenmitarbeiterin den grünen Tee stiehlt oder im Hotel die Kaffeesahne direkt aus dem Kännchen in sich hineinkippt. Dass Davids spezielles Verhalten – von einer „Krankheit“ möchte man angesichts der ansteckenden Lebensfreude, die er versprüht, nicht sprechen – einen ernsten Hintergrund hat, wird im Film nicht verschwiegen; so muss er ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinem Vater gehabt haben. In jedem Fall verlässt man die Doku ob Helfgotts unverstellter Menschlichkeit geradezu beseelt.

Matthias von Viereck

Details

Originaltitel: Hello, I Am David! – Eine Reise mit David Helfgott
Deutschland 2015, 100 min
Genre: Dokumentarfilm, Musikfilm
Regie: Cosima Lange
Drehbuch: Cosima Lange
Kamera: Ute Freund
Schnitt: Inge Schneider
Musik: Kikyung Kim, Walter Schirnik
Verleih: Piffl Medien
FSK: oA
Kinostart: 21.01.2016

Website
IMDB

Vorführungen

Vorführungen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.