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Hasret – Sehnsucht

Surreales Istanbul

Ben Hopkins intimes Portrait von Istanbul schwebt in einem vagen Raum zwischen Dokumentarfilm und Fiktion, zwischen Realität und surrealem Fabulieren.

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Seit DIE NEUN LEBEN DES TOMAS KATZ, dem Film, mit dem Ben Hopkins im Jahr 2000 in Deutschland bekannt wurde, bewegt sich der britische Regisseur im weiten Feld zwischen Dokumentation und Fiktion, die er immer wieder zusammenfließen lässt. War sein letzter Film WELCOME TO KARASTAN ein Spielfilm, der doch auch deutliche biografische Züge trug, beginnt HASRET wie eine klassische Dokumentation. Mit einer kleinen Filmcrew kommt Hopkins nach Istanbul, eine Stadt, in der er jahrelang lebte und über die er nun im Auftrag eines deutschen TV-Senders einen persönlichen Dokumentarfilm drehen soll. Doch schon die erste Szene deutet an, dass man es hier nicht mit einem Film zu tun hat, der so etwas wie die "Wahrheit" zeigt: Da sieht man Hopkins und seine Crew aus einem Container steigen, in dem sie angeblich aus Mangel an Geldmitteln nach Istanbul gereist sind. Diese ironische Umkehr aktueller Flüchtlingsströme etabliert einen spielerischen Tonfall, der doch immer wieder von aktuellen Themen und Problemen geerdet wird. Hopkins zeigt sein Istanbul, eine vibrierende Metropole, ihre unbekannten Ecken, und versucht nicht zuletzt mit seinem dezidiert subjektiven Voice Over-Kommentar, hinter die Oberfläche zu blicken, dem Geheimnis der Metropole am Bosporus auf die Spur zu kommen. Immer enigmatischer werden die Gedankensprünge Hopkins, der bald sogar in ein vorgebliches Geisterhaus zieht, wo er Kontakt mit den Toten sucht, und allein mit Worten, die er über die brillanten schwarz-weiß Aufnahmen versteckter Winkel Istanbuls legt, eine zunehmend surreale Atmosphäre kreiert. Eine wie auch immer aussehende "Wahrheit" sollte man bei diesem Film über Istanbul also nicht erwarten, statt dessen einen durch und durch subjektiven, sehr persönlichen Blick auf eine vielfältige Stadt, der der inzwischen in Berlin lebende Hopkins ganz offensichtlich für einige Jahre verfallen war.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Hasret: Sehnsucht
Deutschland/Türkei 2015, 70 min
Genre: Drama
Regie: Ben Hopkins, Ceylan Ünal Hopkins
Drehbuch: Ben Hopkins, Ceylan Ünal Hopkins
Kamera: Jörg Gruber
Musik: Efe Akmen
Verleih: Piffl Medien
Darsteller: Isa Celik, Bilge Güler, Serhat Saymadi
Kinostart: 26.11.2015

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