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Happy Lamento

Nebeneinander, ineinander, übereinander

Nachdrücklich bedient sich Alexander Kluge der Ästhetik der Postmoderne. Er zelebriert die Vermischung unterschiedlicher Stile und Genres, die Dekonstruktion von Wahrheitsanspruch und Geschmacksurteil und die Fragmentierung von Autorschaft.

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HAPPY LAMENTO gibt Rätsel auf. Zu großen Teilen besteht der neue Film von Alexander Kluge aus gefundenen Videoschnipseln - Begrüßungsfloskeln auf dem G20-Gipfel wechseln sich ab mit Aufnahmen von Tieren und Nonsens-Interviews mit deutschen Intellektuellen. Anhaltspunkte in diesem Durcheinander sind Kapitelüberschriften, die jedoch mehr verwirren als strukturieren, sowie wiederkehrende Themen. Der Mond ist ein solches Thema. Und der Zirkus. Besonders Zirkuselefanten.
Die Themen und Bilder wechseln sich jedoch nicht nur ab, sie stehen auch nebeneinander, oder übereinander, oder sogar ineinander. Klatschende und hüpfende Spielzeugfiguren werden als manisch-ironisierende Metaebene vor den Videoschnipseln positioniert, und mit Elvis Presleys "Blue Moon" gepaart. Die suggestive Montage des avantgardistischen Kinos der 1920er Jahre, auf das sich Alexander Kluge oft beruft, wird so ins Absurde übersteigert.
Dazwischen schaltet Kluge Teile aus dem Film DAS FLÜCHTIGE LEBEN EINES FUNKEN des philippinischen Regisseurs Khavn de la Cruz. Dessen psychedelisch-immersive Kameraführung, die an Gaspar Noé erinnert, und die überdrehten Slum-Narrative, zu der Die Antwoord den Soundtrack liefern könnte, bilden einen Kontrast zu der bisweilen betäubenden Bilderschau Kluges.
Erhellend wirkt dieser Film im Film jedoch nicht: Im Verbund der beiden Regisseure entsteht ein freies Spiel von Bild- und Bedeutungsebenen, das die menschlichen Assoziationsfähigkeiten übersteigt. Nachdrücklich bedient sich Alexander Kluge so der etwas überholten Ästhetik der Postmoderne. Er zelebriert die Vermischung unterschiedlicher Stile und Genres, die Dekonstruktion von Wahrheitsanspruch und Geschmacksurteil und die Fragmentierung von Autorschaft. Sein Film ist was der Titel verspricht - ein fröhliches Klagelied.

Yorick Berta

Details

Deutschland 2018, 93 min
Sprache: Deutsch, Tagalog
Genre: Essayistischer Film
Regie: Alexander Kluge
Drehbuch: Alexander Kluge, Khavn
Kamera: Thomas Willke, Albert Banzon, Thomas Mauch, Erich Harandt
Schnitt: Andres Kern, Kajetan Forstner, Roland Forstner, Toni Werner
Musik: Khavn
Verleih: Rapid Eye Movies
Darsteller: Helge Schneider, Heiner Müller, Galina Antoschewskaja, Peter Berling
FSK: 16
Kinostart: 20.06.2019

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