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Hannas schlafende Hunde

Das Leiden geht weiter

Hanna wächst in einer Familie auf, die vorgibt, katholisch zu sein. Im Österreich des Jahres 1967 schämen sich ihre Eltern, Überlebende der Shoa, jüdisch zu sein, während die östrreichischen Veteranen immer noch ihre Nazilieder grölen.

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Österreich 1967: Da werden im Garten die Maulwürfe vergast, während bei Bauarbeiten alte Fliegerbomben explodieren; der Herr Bankdirektor a. D. ist verdächtig freundlich, der Hauswart verdächtig unfreundlich, die Religionslehrerin offen feindselig. Der Veteranenbund singt das Horst-Wessel-Lied. In diesem Kleinstadtmilieu wächst die zehnjährige Hanna auf; aus ihrer Perspektive erzählt Andreas Gruber seinen Film, eine Adaption des gleichnamigen autobiografischen Romans von Elisabeth Escher: Ein Kind in einer Welt, die es nicht versteht, in der es ausgegrenzt wird, in der die Eltern alles daran setzen, möglichst normal, möglichst unauffällig zu sein.
Eine Frage quält Hanna: Jude zu sein – ist das eine Krankheit, gar eine Sünde? Klar ist ihr jedenfalls, dass keiner davon wissen soll, sie selbst findet es ja auch nur ganz allmählich heraus, das Geheimnis dieser urkatholischen Familie. Ein wohlgehütetes Geheimnis: Die Opfer des Holocaust schämen sich ihrer Identität, denn die Täter von damals lehnen jede Schuld ab. Das Verhältnis von Opfern und Tätern ist umgedreht, und unter Hannas Familie werden Ängste und Traumata weitergegeben, das Leiden geht weiter. In diesem gesellschaftlichen Klima erzählt Gruber seine Coming-of-Age-Geschichte, die Suche nach einer Identität jenseits von Kindheit und Unschuld. Nike Seitz in ihrer ersten großen Filmrolle steht souverän im Zentrum des Films, um sie herum eine Riege großer Darsteller: Christian Wolff, früherer TV-Förster, spielt den allzu freundlichen Bankdirektor, Johannes Silberschneider den hilflosen Priester, Franziska Weisz die innerlich gelähmte Mutter. Und Hannelore Elsner als Großmutter kommt die Rolle der blinden Seherin zu, die mit ihren weisen Ratschlägen das schamhaft Verschlossene der Familie hin zu Selbstbestimmung, zu Selbstbewusstsein öffnen will.

Harald Mühlbeyer

Details

Deutschland/Österreich 2016, 120 min
Genre: Drama
Regie: Andreas Gruber
Drehbuch: Andreas Gruber
Kamera: Martin Gressmann
Verleih: Alpenrepublik Filmverleih
Darsteller: Hannelore Elsner, Franziska Weisz, Nike Seitz, Rainer Egger, Christian Wolff, Johannes Silberschneider
FSK: 12
Kinostart: 09.06.2016

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