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Grenzbock

Eigenartige Rituale

Ein Kinofilm über die Jagd und die Jäger im brandenburgischen Wald. Regisseur Hendrik Löbbert beobachtet, hört hin, hört zu und präsentiert die Jagd als eigenartiges Ritual, das nach streng festgelegten, für Außenstehende bizarr wirkenden Codices abläuft.

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Am klaren Himmel fliegen die Vögel in Formation. Der Jäger sitzt kauend auf seinem kleinen Hocker, das Gewehr auf den Oberschenkel gestützt. Der grüne Hut mit dem Gamsbart ist tief ins Gesicht gezogen. Seine unnatürlich orangefarbene Jacke sticht hervor. Er starrt in die Ferne und wartet. Der Wald steht schweigend, nur Gezwitscher, hier und da ein Knacken. Unterhaltungen werden ausschließlich leise flüsternd akzeptiert. Plötzlich steht der Jäger angespannt neben seinem Stuhl und schaut; lediglich das Gras unter seinen Füßen ist zu hören. Dann zerreißen Schüsse in der Ferne die Stille. Einige Sekunden später hallt, wie eine Antwort, ein weiterer, dann noch einer.
Der junge Regisseur Hendrik Löbbert hat einen Kinofilm über die Jagd und die Jäger im brandenburgischen Wald gemacht. Er beobachtet, hört hin, hört zu. Es ist ein eigenartiges Ritual, ein seltsames Schauspiel nach streng festgelegten Codices, das er den Zuschauern offenbart, für Uneingeweihte fremd und häufig bizarr. In der so präsenten Landschaft werden die Protagonisten zu Spielfiguren, ihr Handeln erscheint als Chiffre. Zusammen mit Kameramann Hajo Schomerus und Cutterin Anja Siemens inszeniert der Filmemacher das Walduniversum als kontemplative Erfahrungswelt. Reviere und Grenzen sind menschengemacht. Schreiten, repräsentieren, vorbereiten, warten, jagen und sammeln. Damwild, Rotwild, Wildschwein. „Der Wolf ist eine ideologische Frage“, erfahren wir, und: „Alte Hirsche röhren nicht mehr, sie knören.“ Am Ende bleibt das ausgeweidete Wild; Rehe, geschmückt mit Nadelzweigen im Maul. Gegenseitige Gratulationen, Waidmannsheil. Die Beute wird zum Auto geschleift und zum Fleischer gebracht, die Trophäen schmücken völlig überfüllte Wände. Zurück bleibt der unbewegte Wald: ruhend, beruhigend, friedlich.

Jens Mayer

Details

Deutschland 2015, 80 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Hendrik Löbbert
Drehbuch: Hendrik Löbbert
Kamera: Hajo Schomerus
Schnitt: Anja Siemens
Musik: Bernd Schurer
Verleih: Farbfilm Verleih
Darsteller: Hubertus Meckelmann, Hans-Dieter Pfannenstiel, Robert Hinz u.a.
FSK: 6
Kinostart: 04.02.2016

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