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Hypermodernität und Verfall

Semih Kaplanoğlu, 201o Berlinale-Gewinner mit BAL – HONIG hat einen philosophischen Science-Fiction-Film gedreht. Die Welt ist unterteilt in hypermoderne urbane Zonen, in dem die Privilegierten leben, und in ein unwirtliches Ödland. Dort sucht ein Wissenschaftler nach Rettung vor dem drohenden Hungertod der Menschheit.

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Semih Kaplanoğlu hat zusammen mit Leyla İpekçi ein Drehbuch über (s)eine Vision der Zukunft geschrieben und kehrt mit dessen Verfilmung zurück, sieben Jahre nachdem er für BAL – HONIG den Goldenen Bären gewonnen hat. In der Zukunft ist die Menschheit geplagt von Gewalt, Dürre, Epidemien und ständigen Missernten. Diejenigen, die einen genetischen Test bestehen, dürfen in die noch halbwegs funktionierenden Städte, der Rest muss im kargen Ödland überleben. Als auch die neueste Saat genmanipulierten Weizens abzusterben droht, erfährt der Wissenschaftler Erol Erin (Jean-Marc Barr) von Cemil Akmans (Ermin Bravo) Theorie des „genetischen Chaos“. In der Hoffnung, dass diese tatsächlich die Rettung sein könnte, lässt sich Erol an den tödlichen Magnetschildern vorbei ins Ödland schmuggeln, um den mittlerweile abtrünnigen Akman zu finden.
Für diese Gesellschaft zwischen Hypermodernität und Verfall findet Kameramann Giles Nuttgens großartige Bilder, gedreht in Nordrhein-Westfalen, der Türkei und Detroit. Fast jede Einstellung im ersten urbanen Abschnitt des Films führt an ein neues beeindruckendes Setting, und auch in der völlig entgegengesetzten Welt des Ödlands beeindrucken die überwältigenden Landschaftsbilder, präzise kadrierte Schwarzweißaufnahmen. So packend wie der Film visuell ist, so viel Geduld muss man allerdings auch für ihn aufbringen. Kaplanoğlu hat sich viel vorgenommen und akute gesellschafts- und weltpolitische Problematiken wie genmanipuliertes Getreide, Klimawandel, Steinewerfer und Flüchtlingsströme im Film verarbeitet. Zitate reichen von einer Sure des Korans bis zu Klassikern der Literatur- und Filmgeschichte, darunter nicht zuletzt Andrei Tarkowskis STALKER. Sobald Erin das Ödland betritt, wird der Film zu einer philosophischen Reise voller Parabeln.

Katharina Franck

Details

Originaltitel: Buğday
Türkei 2017, 123 min
Genre: Drama, Science Fiction
Regie: Semih Kaplanoğlu
Drehbuch: Semih Kaplanoğlu
Kamera: Giles Nuttgens
Schnitt: Ayhan Ergüsel, S. Hande Güneri
Verleih: Piffl Medien
Darsteller: Jean-Marc Barr, Ermin Bravo, Grigori Dobrygin, Lubna Azabal, Nike Maria Vassil
FSK: 12
Kinostart: 26.04.2018

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