
Neue Notiz
Gorgonà (2025)
Postapokalyptisches Patriarchat
Eingehüllt in überdrehte Gewalt, Sex und bunten Trash bietet GORGONÀ eine feministische Systemanalyse, die den Nerv der Zeit trifft wie Maria die Zielscheibe bei ihren Schießübungen.
Griechenland in einer nicht so fernen Zukunft: Die Bewohner einer sterbenden Stadt sind ganz und gar von Erdöl abhängig. Wenn die Männer nicht in der Raffinerie schuften, gehen sie quasi-religiösen machistischen Ritualen nach. Hier herrscht das Patriarchat in Reinkultur. Maria (Melissanthi Mahut) ist die einzige Frau in einem Haufen stumpfer, anabolika-süchtiger Alpha-Typen. Sie will ihren Mentor Nikos (Christos Loulis) als Anführerin beerben und eine Zeitenwende einläuten. Doch um nach der Macht greifen zu können, muss sie seine Spielchen mitspielen. Da kommt Sängerin und Sexarbeiterin Eleni (Aurora Marion) in die Stadt und bringt Marias Weltbild und ihre Gefühle durcheinander.
Evi Kalogiropoulou schuf mit kleinem Budget und großer Vision einen postapokalyptischen Fiebertraum à la MAD MAX in klassisch queerer Ästhetik. Eingehüllt in überdrehte Gewalt, Sex und bunten Trash bietet GORGONÀ eine feministische Systemanalyse, die den Nerv der Zeit trifft wie Maria die Zielscheibe bei ihren Schießübungen. Die weibliche Perspektive ist omnipräsent, gerade in den Sequenzen, die das körperbetonte Männlichkeitstheater studieren, das Nikos und seine „Brüder“ aufführen. Nicht nur die beiden Hauptfiguren dürfen strahlen, auch weibliche Nebenfiguren bekommen ihren Moment in der Sonne, etwa zwei Serviererinnen in der Mensa oder eine toughe Kiosk-Besitzerin. GORGONÀ beleuchtet ein klassisches patriarchales Paradoxon: Frauen sind wertvoll und begehrt, leben aber genau deshalb in ständiger Gefahr – sie sind Besitz, müssen verfügbar sein und dürfen sich nicht entziehen. Dass sich Maria, die sich den Zugang zur Männerwelt hart erkämpft hat, und Eleni, die von außen zuschaut und durch ihre Sexualität ihr Überleben sichert, miteinander solidarisieren, bringt ein Quäntchen Hoffnung in diese brutal hoffnungslose Welt.
Originaltitel: Gorgona
Griechenland 2025, 95 min
Sprache: Griechisch
Genre: Drama, Science Fiction
Regie: Evi Kalogiropoulou
Drehbuch: Evi Kalogiropoulou, Louise Groult
Kamera: Giorgos Valsamis
Schnitt: Yorgos Zafeiris
Musik: Nick Athens, Karolos Berahas, Ilias Kampanis
Verleih: Neue Visionen
Darsteller: Errika Bigiou, Xenia Dania, Náyla Gougni, Erifili Kitzoglou, Myrto Kontoni
Kinostart: 18.06.2026
Website
IMDB
Vorführungen
ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.