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Goliath96

Sohn im Netz

Kristins Sohn David hat seit zwei Jahren sein Zimmer kaum verlassen und jede Kommunikation abgebrochen. Über einen fake Account versucht sie, online mit ihm Kontakt aufzunehmen.

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Alles scheint gut bei Kristin (Katja Riemann). Wir sehen sie mit Mann und Sohn in wunderschönen Bildern am Strand, und als die Rückblende vorbei ist, von Kolleg*innen bewundert im Job. Nur ihr Grinsen beim Aerobic sieht ein bisschen zu manisch aus. Doch dann hören wir sie, zuhause auf dem Boden sitzend, alleine ihren Tag vor einer Tür rekapitulieren. Und wir vermuten, dass niemand auf der anderen Seite ist, der zuhört. Der Mann vom Strand ist mittlerweile verschwunden und Sohn David (Nils Rovira-Muñoz) studiert ja gerade in Texas, oder? Aber dann erfahren wir Verstörendes. Etwas, wofür Kristin keine Erklärung hat und das sie nach Außen unbedingt verheimlichen will: David ist nicht in Texas sondern seit zwei Jahren, ohne mit ihr zu kommunizieren, hinter der verschlossenen Tür seines Zimmers. Ein selbstgewähltes Exil, das er nur für wenige Minuten verlässt, wenn seine Mutter schläft. GOLIATH96 hat Katja Riemann viel zu verdanken. Trotz des konstruierten Plots ist man doch immer wieder bei Kristin und ihren aberwitziger werdenden Handlungen, fühlt mit ihr im Wechselbad der Emotionen. Als sie schließlich unter einem fake account zumindest in einem Online-Forum endlich wieder Kontakt zu ihrem Sohn fassen kann, wird es richtig verstörend.

Auf Marcus Richardts Film muss man sich einlassen (wollen), denn es ist ein ambivalentes Werk. Die beiden Hauptdarsteller*innen überzeugen, die Nebenfiguren sind dafür meist eindimensional angelegt. Vor allem im Fall von David Wurawa, der Kristins love interest spielt, ist das schade. In der Art, wie die digitale Kommunikation zwischen Mutter und Sohn dargestellt und visualisiert wird, ist der Film zudem etwas altmodisch. Gleichzeitig widmet sich das Regiedebüt aber mutig und kompromisslos heiklen Aspekten familiärer Beziehungen und einem Phänomen, das 20 Jahre nach der Hoch-Zeit der ersten Chat Rooms nichts von seiner Problematik verloren hat.

Katharina Franck

Details

Deutschland 2018, 109 min
Genre: Drama
Regie: Marcus Richardt
Drehbuch: Thomas Grabowsky, Marcus Richardt
Kamera: Wedigo von Schultzendorff
Schnitt: Silke Olthoff
Verleih: Little Dream Entertainment
Darsteller: Katja Riemann, Nils Rovira-Munoz, Elisa Schlott, Jasmin Tabatabai, David Wurawa
Kinostart: 18.04.2019

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