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Giraffe

Migration, innereuropäisch

Auf der dänischen Insel Lolland müssen die Bewohner:innen eines Ortes dem neuen Fehmarntunnel Platz zu machen. Die dänische Ethnologin Anna, die selbst in Berlin lebt, befragt sie zu ihren Erfahrungen. Der polnische Arbeiter Lucek reist von Baustelle zu Baustelle.

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Migration, Grenzen, Vertreibung. Da denkt man in diesen Tagen unweigerlich an Geflüchtete, die im Mittelmeer ums Leben kommen oder an der EU-Außengrenze zwischen der Türkei und Griechenland gestrandet sind. Doch auch in der Kern-EU müssen Menschen bisweilen ihre Heimat verlassen, um dem Fortschritt Platz zu machen, während andere freiwillig ihre Heimat hinter sich lassen, um als Arbeitsmigrant:innen für ihre daheimgebliebene Familie zu sorgen.
Anna Sofie Hartmann verhandelt in ihrem Debütfilm GIRAFFE hochaktuelle Fragen ganz subtil, ohne Dogma oder Pathos. Schauplatz ist vor allem die dänische Insel Lolland, wo ein Austrittspunkt des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels liegt. Die dänische Ethnologin Dara (Lisa Loven Kongsli) – selbst fern der Heimat in Berlin lebend – forscht vor Ort, befragt Bewohner:innen, vor allem ältere Personen, die oft schon seit Jahrzehnten in der Gegend leben und nun, im Namen des Fortschritts, dazu gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen.
Eine andere Form der Migration verkörpert der junge polnische Arbeiter Lucek (Jakub Gierszał), den Dara in dem gesichtslosen Hotel kennenlernt, in dem sie übernachtet. So wie die Bewohner von Lolland bald heimatlos sein werden, so ist auch Lucek ein Entwurzelter, allerdings mehr oder weniger freiwillig. Er zieht mit einem Trupp Arbeiter durch Europa, bleibt für einige Wochen, vielleicht Monate, an einem Ort und zieht dann weiter, dahin, wo es Arbeit gibt. In ruhigen Bildern, die in ihrer zurückhaltenden, aber doch sprechenden Weise an die Berliner Schule erinnern, beobachtet Hartmann diese Menschen, deutet Verbindungen und Parallelen mehr an, als dass sie sie ausstellt und erzählt damit eine weiteren Facette des Themas, dass die Debatten in Europa seit Jahren mitbestimmt und wohl noch lange prägen wird.

Michael Meyns

Details

Deutschland/Dänemark 2019, 87 min
Genre: Drama
Regie: Anna Sofie Hartmann
Drehbuch: Anna Sofie Hartmann
Kamera: Jenny Lou Ziegel
Schnitt: Sofie Steenberger
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Lisa Loven Kongsli, Jakub Gierszal, Christoph Bach, Juliane Elting
FSK: oA
Kinostart: 06.08.2020

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