Entfernung über GPS
ab PLZ

Get – Der Prozess der Viviane Amsalem

Ein modernes Märtyrium

Ein Get ist ein Schreiben, das einer Frau in Israel gestattet, sich scheiden zu lassen. Ausstellen kann diesen Scheidungsbrief nur ein orthodoxes Rabbinatsgericht. GET – DER PROZESS DER VIVIANE AMSALEM erzählt vom langen Leidensweg einer Frau, die sich gegen den Willen ihres Mannes scheiden lassen möchte und sich bemüht, einen Get zu erhalten.

Mehr

Ein Get ist ein Schreiben, das allein es einer Frau in Israel gestattet, sich scheiden zu lassen. Ausstellen kann diesen Scheidungsbrief nur ein orthodoxes Rabbinatsgericht, das damit enorme Macht besitzt. Wie schwer es für eine Frau ist, einen Get zu bekommen und sich scheiden zu lassen, wenn ihr Mann sich aus welchen Gründen auch immer weigert, in die Scheidung einzuwilligen, das beschreiben Ronit und Shlomi Elkabetz in ihrem Drama GET – DER PROZESS DER VIVIANE AMSALEM. Schon der Titel deutet eine Nähe zu Dreyers DIE PASSION DER JEAN D‘ARC an und auch in seiner kargen, viele Nahaufnahmen einsetzenden Inszenierung wird immer wieder auf diesen Klassiker angespielt. Es mag zwar etwas anmaßend erscheinen, eine moderne Israelin (und ja, GET spielt in der Gegenwart, man muss es sich immer wieder vor Augen halten) mit der auf dem Scheiterhaufen verbrannten Jean d’Arc zu vergleichen, doch was die von der Regisseurin Ronit Elkabetz selbst gespielte Viviane in den fast zwei Stunden durchmacht, kann nur als Martyrium beschrieben werden. Jahrelang zieht sich der Prozess hin, immer neue Steine legen ihr die Rabbiner in den Weg, die weniger Recht sprechen, als den geradezu heiligen Stand der Ehe schützen wollen. Und das Vivianes Mann Elisha (Simon Abkarian) großzügigerweise anbietet, seine Frau wieder zurückzunehmen, erscheint den ultraorthodoxen Richtern als beste Lösung. Unerbittlich inszeniert das Geschwisterpaar Elkabetz den Leidensweg, der immer wieder in Momenten der Hilfs- und Sprachlosigkeit mündet. Dass dieses archaische Gesetz im modernen Israel gilt, das in dem sich immer wieder als einzige Demokratie im Nahen Osten rühmenden Land keine Zivilscheidung existiert, ist kaum zu glauben, verleiht dem oft nur schwer zu ertragenden GET aber zusätzliche Prägnanz.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Gett, The Trial of Viviane Amsalem
Deutschland/Frankreich/Israel 2014, 115 min
Sprache: Hebräisch, Französisch, Arabisch
Genre: Drama
Regie: Ronit Elkabetz, Shlomi Elkabetz
Drehbuch: Ronit Elkabetz, Shlomi Elkabetz
Kamera: Jeanne Lapoirie
Schnitt: Joëlle Alexis
Musik: Shaul Beser, Dikla
Verleih: Salzgeber
Darsteller: Simon Abkarian, Menashe Noy, Ronit Elkabetz, Sasson Gabai, Rami Danon, Eli Gornstein, Roberto Pollak
FSK: oA
Kinostart: 15.01.2015

Website
IMDB

Vorführungen

Vorführungen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.