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Gabrielle – (k)eine ganz normale Liebe

Chansons, Liebe und Selbstbestimmung

Martin und Gabrielle, die am William-Beuren-Syndrom leidet, lernen sich beim gemeinsamen Chor-Singen kennen und lieben. Ihre Beziehung müssen sie gegen eine Umgebung verteidigen, die Behinderten das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung abspricht.

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(K)eine ganz normale Liebe – so lautet der deutsche Untertitel von Louise Archambaults Film Gabrielle. Wer ihn gesehen hat, den wird das K in Klammern perplex lassen, denn worauf die mit William-Beuren-Syndrom diagnostizierte Gabrielle (Gabrielle Marion-Rivard) im Film unaufhörlich pocht ist gerade ihre Normalität, ihr Recht auf eine eigene Wohnung, auf Selbstbestimmung und vor allem auf ihren Freund, Martin (Alexandre Landry).
Ein- und ausgeleitet wird der Film mit den herzerwärmenden Chansons von Robert Charlebois, einem kanadischen Schlagerstar. Martin und Gabrielle singen seine Songs, leben sie sichtlich. Ihr Chor, Les Muses de Montréal, erinnert an das bekannt gewordene Theater Hora und ihrem Stück Disabled Theater, das am Berliner Theatertreffen 2013 den Alfred-Kerr-Darstellerpreis gewann. Wie der Film forderte dieses brisante Stück unsere Sichtweise auf Menschen mit Behinderung heraus. Beide stellen die Frage nach den Grenzen ihrer Bevormundung durch Angehörige und ihrem Recht auf eine gleichwertige künstlerische Anerkennung.
Archambaults Kamera geht auf Tuchfühlung mit ihren Protagonisten, sucht und zittert im dokumentarischen Stil. Wir sehen ihre Heldin im Alltag – vom gemeinsamen Haareschneiden mit der liberalen Schwester (Mélissa Désormeaux-Poulin) bis zum Wechseln der Binde auf dem Klo im Heim. Nicht selten erstaunt dabei die mangelnde Intimität der Heimbewohner, z.B. als Martins Mutter in Gabrielles Zimmer hereinplatzt und ihrem halbentblößten Sohn befiehlt sich anzuziehen, um ihm kurze Zeit darauf jeden Kontakt zu seiner Freundin zu verwehren...
Letzten Sommer absoluter Publikumsliebling am Locarno Filmfestival wird GABRIELLE gewiss auch hierzulande einige Herzen höher schlagen und einige Wuttränen fließen lassen.

Raphaël Rück

Details

Originaltitel: Gabrielle
Kanada 2013, 104 min
Genre: Drama, Musikfilm
Regie: Louise Archambault
Drehbuch: Louise Archambault
Kamera: Mathieu Laverdière
Schnitt: Richard Comeau
Musik: François Lafontaine
Verleih: Alamode Filmverleih
Darsteller: Gabrielle Marion-Rivard, Alexandre Landry, Mélissa Désormeaux-Poulin
FSK: 6
Kinostart: 24.04.2014

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