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Fuchs im Bau

Schüler hinter Gittern

Die Gefängnisklasse unter der Obhut der so engagierten wie irgendwie derangierten Frau Berger ist nicht groß, und doch herrscht fast immer Unruhe. Da kommt einiges auf den neuen Lehrer, Herrn Fuchs, zu.

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In den ersten Einstellungen sieht man sie kaum: Die Stäbe, die die jugendlichen Protagonisten von der Freiheit trennen. Schüler, die lernen sollen. Nicht nur, wo die Steiermark liegt. Auch, und vor allem, wie sie zurechtkommen mit der eigenen Vergangenheit, mit ihren Fehltritten. Samira etwa, vielleicht sechzehn, kurzes Haar, Samira hat den eigenen Vater ins Koma gehauen. Groß ist sie nicht diese Gefängnisklasse unter der Obhut der so engagierten wie irgendwie derangierten Frau Berger. Und doch herrscht fast immer Unruhe: „Kameltreiber“ ruft ein Schüler über die Sitzreihen hinweg, „Nazi“ ein anderer. Frau Berger (Maria Hofstätter) aber hat die Klasse unter Kontrolle – was daran liegt, dass sie den anspruchsvollen Job seit 25 Jahren versieht. Daran, dass sie sich nicht an die strengen Knastregeln hält, die Kids viel malen und auch mal ein Blech voller Apfelstrudel zubereiten lässt. Frau Berger jedoch ist zu alt, lang kann sie den stressigen Job nicht mehr machen; ein neuer Lehrer (stark: Aleksandar Petrović) muss her. Den Schülern bereitet es großen Spaß, Herrn Fuchs (siehe Titel) zunächst ordentlich zu demütigen. Dass auch Fuchs ein Trauma mit sich herumträgt, das lässt uns Regisseur und Autor Arman T. Riahi (DIE MIGRANTIGEN) langsam erahnen und erst ziemlich spät wissen. Nicht nur das glaubwürdige Spiel der jungen Darsteller*innen überzeugt, auch in zweiter Reihe ist das Drama gut besetzt: mit einer Sibel Kekilli als Gefängnisjuristin, einem Andreas Lust als „Abteilungskommandant“. Klein sind die durch die österreichische Produktion (mehrfach prämiert beim Max-Ophüls-Preis 2021) ausgegebenen Hoffnungshäppchen. Noch gesteigert wird die Eindringlichkeit des Films dadurch, dass man im Abspann erfährt: „Inspiriert von den Erfahrungen des Gefängnislehrers Wolfgang Riebniger“.

Matthias von Viereck

Details

Österreich 2020, 103 min
Genre: Drama
Regie: Arman T. Riahi
Drehbuch: Arman T. Riahi
Kamera: Mario Minichmayr
Schnitt: Karina Ressler
Musik: Karwan Marouf
Verleih: Rendevous
Darsteller: Aleksandar Petrovic, Maria Hofstätter, Luna Jordan
Kinostart: 19.05.2022

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