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Wie die Apachen aus dem Euro-Western wollten die Brüder Kai und Mirko nach dem Tod der Mutter zusammenhalten. Jahre später ernährt Kai seine Familie mit harter Maloche im Schlachthaus, und Mirko ist als Kleinkrimineller unterwegs

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Im Buch und Film TRAINSPOTTING rechtfertigen Figuren immer wieder, dass sie Freunde des unberechenbar gewalttätigen Begbie bleiben, damit, dass er ja ein „Kumpel“ sei, zu dem man stehen müsse. Ganz ähnlich fühlt sich Kai seinem großen Bruder Mirko gegenüber verpflichtet. Wie die Apachen aus dem Euro-Western wollten die beiden nach dem Tod der Mutter zusammenhalten, aber während Kai als Erwachsener sein Geld für Frau und Tochter mit harter Maloche im Schlachthaus verdient, ist Mirko zwischen seinen Knastaufenthalten als Dieb, Dealer und Schläger unterwegs und kennt keine Familie oder Freundschaft, wenn er etwas haben will. Zum Beispiel die 10.000 EUR, die Kai für ihn aufbewahren sollte und inzwischen ausgegeben hat, hätte der vorzeitig aus dem Knast Entlassene jetzt gerne, und Kai muss sich etwas einfallen lassen, damit er nach Schichtende seinem Bruder nicht mit leeren Händen gegenübertritt. Selbst wenn Mirko ihn nicht direkt zusammenschlagen würde, stünde Kai bei ihm in der Schuld, und sein Bruder könnte ihn komplett in das Milieu ziehen, von dem er sich fernhalten wollte.

FRISCH verpflanzt die Handlung des Romans "Fresh" von Mark McNay aus Schottland in einen Ruhrpott, in dem die heruntergekommenen Straßen und die engen Sozialwohnungen gleichermaßen in ein unwirkliches Licht zwischen Sepia und Natriumdampf getaucht sind. Während sich Kai den Kopf darüber zerbricht, wie er das Geld beschaffen kann und dies in seinem inneren Monolog (Ralf Richter im Western-Erzähler-Modus) diskutiert, fallen ihm immer wieder die Momente aus seiner Vergangenheit ein, die zu dieser Situation geführt haben. Die Zeitsprünge sind nicht immer klar nachvollziehbar, machen aus dem Familienkrimi aber einen aufregenden Trip weit weg vom sozialen Realismus. Ein bisschen wie TRAINSPOTTING eben.

Christian Klose

Details

Deutschland 2024, 98 min
Genre: Drama, Krimi
Regie: Damian John Harper
Drehbuch: Damian John Harper
Kamera: Leonhard Kairat
Schnitt: Lorna Hoefler-Steffen
Musik: Emma Elisabeth Harper
Verleih: Port-au-Prince
Darsteller: Louis Hofmann, Franz Pätzold, Sascha Geršak, Canan Kir, Ralf Richter
FSK: 16
Kinostart: 03.07.2025

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