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Franz K.

Kaleidoskop

Agnieszka Holland hat dem Stapel an Kafka-Filmen weniger eine neue Interpretation hinzugefügt, als dass sie aus den Spiegelsplittern, in denen Kafka jeweils in anderen Facetten erscheint, ein kaleidoskopisches Puzzle zusammengestellt hat.

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Agnieszka Hollands FRANZ K. enthält immer wieder Szenen aus der touristischen Gegenwart. In einer von ihnen zeigt eine Fremdenführerin zwei Vitrinen: In der einen liegt ein kleiner Haufen Bücher – Kafkas Gesamtwerk. Die andere quilt über von Papier, es ist nur ein kleiner Teil der Sekundärliteratur über sein Leben und Werk, und dabei fehlen noch die Hörbeiträge und Uniseminare und die Filme, die seine Biografie und seine Romane zu erfassen versuchen, oder den Autor als Inspiration für eigene „kafkaeske“ Geschichten nutzen. Holland hat dem Stapel nun weniger eine neue Interpretation hinzugefügt, als dass sie aus den Spiegelsplittern, in denen Kafka jeweils in anderen Facetten erscheint, ein kaleidoskopisches Puzzle zusammengestellt hat. Vage chronologisch halten Szenen aus Kafkas Leben – Kafka genervt an seinem Schreibtisch, mit der Familie beim Abendessen, bei seiner ersten Vorlesung, im Bordell, mit Max Brod unterwegs, später schwer krank – die Handlung beisammen. Die Szenen illustrieren bewusst unterschiedliche Aspekte des Kafka-Universums: Beim Vorlesen einer Geschichte fällt Kafka, der Humorist, vor Lachen fast vom Stuhl; der Vater, Kafkas Nemesis, wirkt in seinem verfressenen Merkantilismus wie eine Karikatur, die Schwester steht dagegen immer helfend zur Seite; die Mehrsprachigkeit der Familie kommt vor, und Felice bekommt den Raum, sich gegen die einseitige Rezeption zu wehren. Dazwischen ist der Kafka-Hype im Prag der Gegenwart zu sehen, und in einer drastischen Szene verfilmt Holland die Kurzgeschichte „Die Strafkolonie“, in der eine gigantische Foltermaschine beschrieben wird. Das ist kenntnisreich zusammengestellt und montiert, aber am Ende hat auch FRANZ K. das Problem – fast – aller Kafka-Filme: Man möchte eigentlich lieber die Bücher nochmal lesen.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Franz
Tschechische Republik/ Deutschland/ Frankreich/ Irland 2025, 127 min
Sprache: Deutsch, Tschechisch
Genre: Drama, Biografie
Regie: Agnieszka Holland
Drehbuch: Marek Epstein
Kamera: Tomasz Naumiuk
Schnitt: Pavel Hrdlicka
Verleih: X Verleih
Darsteller: Idan Weiss, Karel Dobrý, Peter Kurth, Juraj Loj
Kinostart: 23.10.2025

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