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Foxtrott

Ein Schritt zur Seite, ein Schritt zurück

Die Nachricht vom Tod ihres Sohnes Jonathan, der gerade bei der Armee ist, stürzt den Tel Aviver Architekten Michael und seine Frau Dafna in einen Strudel aus Trauer, Fassungslosigkeit – und unbändiger Wut.

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Es bedarf nicht vieler Worte, um den Figuren den Boden unter den Füßen weg- und den Zuschauer in die Geschichte hinein zu ziehen. Eine Landstraße irgendwo in der Wüste, die über die Leinwand rauscht. Eine Türklingel, zwei Soldaten in Uniform, eine Frau, die in Ohnmacht fällt. Wieder ist der Sohn einer Familie an der Front gestorben. Irgendwo im Niemandsland am Rande des Gaza-Streifens. Was folgt, ist Routine. Während seine Frau Daphne (Sarah Adler) mit einem Beruhigungsmittel für die nächsten vier Stunden ausgeschaltet ist, muss sich Michael Feldmann (Lior Ashkenazi) der Realität stellen. Das wird von ihm als Mann erwartet. Die Fakten, die Formalitäten, der Offizier, der die Beisetzung organisiert, die Verwandten, die sich in ihrer eigenen Trauer ergehen – und dazwischen immer wieder Wasser trinken, wenn der Handywecker brummt. Es ist erschreckend, aber traurige Realiät wie militärisch professionell diese Maschinerie funktioniert. Doch dann geschieht ein Fehler und das Konstrukt gerät ins Wanken. Samuel Maoz wechselt mehrfach die Tonalität seines zweiten Spielfilms. Trauer und Verarbeitung stehen im ersten Akt im Mittelpunkt. Dann bricht er die Handlung auf und schildert die absurde Situation an dem entlegenen Grenzposten, wo der Sohn stationiert war. Schließlich kehrt er in die Wohnung zurück und wechselt erneut die Zeit. Die Indizien dafür muss sich der Zuschauer selbst zusammensuchen. Doch die Aufmerksamkeit wird belohnt und die kunstvollen Bilder von Giora Bejach halten den Blick ebenso gefesselt wie Leistung von Charakterdarsteller Lior Ashkenazi, der gerade als Yitzhak Rabin in 7 TAGE IN ENTEBBE zu sehen war. Samuel Moaz hat als junger Mann 1982 im Libanon-Krieg gekämpft. Nachdem er die Erlebnisse in seinem Spielfilmdebüt LEBANON verarbeitete, der ihm 2009 den Goldenen Löwen in Venedig einbrachte, behandelt er hier erneut meisterhaft die schmerzhafte Sinnlosigkeit des Krieges.

Lars Tunçay

Details

Originaltitel: Foxtrot
Israel/Deutschland/Frankreich 2017, 114 min
Genre: Drama
Regie: Samuel Maoz
Drehbuch: Samuel Maoz
Kamera: Giora Bejach
Musik: Amit Poznansky, Lior Ashkenazi
Verleih: NFP
Darsteller: Lior Ashkenazi, Dekel Adin, Sarah Adler, Yehuda Almagor
FSK: 12
Kinostart: 12.07.2018

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