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Fieber

Gespenster des Kolonialismus

Als Kind liebte Franzi die Kriegsgeschichten des Vaters, der der als französischer Fremdenlegionär in Marokko, Algerien und Syrien stationiert war. Als Erwachsene, die immer noch im Schatten des traumatisierten Vaters steht, wirft sie erneut einen Blick auf die Vergangenheit.

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Es sind die 50er und Franzi, vielleicht zehn oder elf Jahre alt, lebt mit ihrer Familie in einem österreichischen Dorf. Von der ländlichen Idylle gelangweilt, verliert sich das Mädchen in den verklärenden Kriegsgeschichten ihres Vaters, der als französischer Fremdenlegionär in Marokko, Algerien und Syrien stationiert war. Was von dieser Zeit geblieben ist, passt in eine Schublade. Oft sitzt Franzi im Büro des Vaters und schaut sich alte, schwarz-weiße Fotografien und Bücher an. Eine kindlich-unreflektierte Faszination für die Kolonialkriege des 20. Jahrhunderts entwickelnd, lauscht sie dabei den mit viel Pathos vorgetragenen Selbstgesprächen ihres Vaters. Jahrzehnte später steht der in einem ambivalenten Verhältnis zu seiner Vergangenheit: War er Soldat? Oder doch Opfer?
Als erwachsene Frau, der Vater ist längst verstorben, steht Franzi immer noch in dessen Schatten. Deshalb macht sie sich auf Spurensuche in seine Jugend und zu jenen, die ihm seine „Strengheiten“ beibrachten, so Franzi aus dem Off – sie will sein Kriegstrauma verstehen lernen. Denn ist der ehemalige Soldat anfangs ihr Held, kippt dieses Bild in Verlauf des Films ins Gegenteil. Aus der Legion hat der Vater ein Nervenleiden mitgebracht, seine Depressionen lassen ihn der Familie gegenüber zum unberechenbaren Tyrannen werden. Im Kopf des Mädchens vermischt sich dieses Fieber des Vaters mit teils horrorhaften, teils fantastischen Elementen, aus denen kritische Fragen entstehen.“ Antworten bekommt sie jedoch keine.
Dabei spiegelt der Film auch eigene Erfahrungen der Regisseurin Elfi Mikesch wider. Die Afrika-Fotos stammen aus ihrem Privatarchiv, wurden zwischen 1922 und 1932 von ihrem Soldaten-Vater aufgenommen. Der Film zeigt so sehr eindringlich die Nachwirkungen, die Kolonialismus und Gewalt noch Generationen später hinterlassen haben und sucht Wege, mit diesen Gespenstern umzugehen.

Christine Stöckel

Details

Luxemburg/Österreich 2014, 87 min
Genre: Drama
Regie: Elfi Mikesch
Drehbuch: Elfi Mikesch
Kamera: Jerzy Palacz
Schnitt: Pia Dumont
Musik: André Mergenthaler
Verleih: barnsteiner-film
Darsteller: Eva Mattes, Martin Wuttke, Nicole Max, Sascha Ley, Luc Feit, André Jung
FSK: 12
Kinostart: 11.08.2016

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