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Familie haben

Hauptsache Geld?

Der Großvater hat vor Jahren das Vermögen seiner Frau an der Börse verzockt und immer noch ist Geld, der große Coup, das einzige, worüber er redet. Sein Enkel, Jonas Rothlaender unternimmt nun eine filmische Recherche der eigenen Familie.

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Wann ist man reich? Laut den Recherchen vom Großvater des Regisseurs, international erst ab einem Eigentum von „30 Millionen“. Euros? Oder doch Dollars? Egal, die Größenordnung zählt - und dass der über neunzigjährige Stalingradüberlebende von dieser Art Reichtum meilenweit entfernt ist. Er lebt auf Staatskosten im Altersheim und verbringt seine Tage mit absurden Versuchen, ein Vermögen an Land zu ziehen, dessen Existenz bezweifelt werden darf. Dies als Wiedergutmachung dafür, dass er Jahre zuvor durch Börsenspekulation Millionenbeträge verspielt hat, die ihm die Familie anvertraut hatte. Seine Exfrau starb deswegen bettelarm.
Ausgehend von diesem familiären Sündenfall erkundet Jonas Rothlaender zunächst die Beziehung seiner Großeltern. Die Sprachlosigkeit, mit der er dabei konfrontiert wird – für seinen Großvater ist Geld der einzige Konversationsgegenstand -, ist kein rein persönliches Phänomen, sondern in deutschen Familien häufig zu beobachten. Emotional durch den Krieg schockgefrostet, fokussierte sich die Großelterngeneration aufs Besitzen, anstatt ihre Familienbande lebendig zu gestalten. Im Vertrauen darauf, dass seine Anwesenheit allem Anschein zum Trotz etwas bewirkt, lässt sich der Regisseur durch diese Geldfixierung nicht abschrecken. Hartnäckig versucht er zu verstehen, ohne zu verurteilen. Dabei übt er eine Nähe in der Beobachtung, die in seiner Familie sonst nicht üblich ist. Zugleich ist sein Film sehr offen und direkt, sogar potentiell justiziable Aussagen werden vor der Kamera getroffen und beim Schnitt nicht rauszensiert. Schnell wächst sich Rothlaenders Unternehmen zu einer Familienanalyse über drei Generationen aus, denn auch das schwierige Verhältnis zur eigenen Mutter ist geprägt von der Unfähigkeit, das anzusprechen, was am schwersten fällt, aber auch großen Reichtum bieten könnte: Familie sein.

Anna Stemmler

Details

Deutschland 2015, 137 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Jonas Rothlaender
Drehbuch: Jonas Rothlaender
Kamera: Jonas Rothlaender
Schnitt: Dietmar Kraus
Verleih: Jonas Rothlaender
FSK: oA
Kinostart: 07.01.2016

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