
Neue Notiz
Extrawurst
„Abgehakt und Streusand drüber“
Die Theaterherkunft ist in den deklamatorischen Schlagabtäuschen und den reduzierten Settings zwar immer zu spüren, aber Rosenmüller holt filmisch raus, was geht.
„Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob war in der Spielzeit 2021/2022 das meistgespielte Theaterstück auf deutschen Bühnen. Marcus H. Rosenmüller hat die Komödie nun mit Starbesetzung verfilmt. Ort der Handlung ist ein Tennisklub in der Provinz. Hier hat der autokratische und joviale Vorsitzende Heribert (Hape Kerkeling) gerade die Mitgliederversammlung beendet, als noch ein Punkt auf die Tagesordnung kommt. Melanie (Anja Knauer), die mit ihrem Hipsterehemann Torsten (Christoph Maria Herbst) aus Berlin zugezogen ist, schlägt vor, neben einem neuen Grill für den Verein einen zweiten, schweinefleischfreien, Grill anzuschaffen, damit ihr Tennispartner Erol (Fahri Yardim) und seine Familie auch mitgrillen können. Erol, der seit Teenagertagen Vereinsmitglied ist, winkt ab, er will keine Extrawürste.
Heribert ist erleichtert: „Abgehakt und Streusand drüber.“ Die Sitzung ist beendet. Oder doch nicht? Melanie beharrt auf ihrem Vorschlag. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass Erol die Würste vom Gemeinschaftsgrill tatsächlich nicht essen kann, und als die Diskussion weitergeht, immer wieder von „Türkenwürsten“ die Rede ist und auch sonst fleißig Ressentiments hochkochen, ändert er seine Meinung. Er will nun doch einen Grill, einen großen … Runde um Runde dreht sich die Debatte, dabei blättern die Fassaden, und unter dem Putz kommen die Vorurteile zum Vorschein. Bei den einen geht das sehr schnell, beim liberalen Torsten dauert es etwas länger, aber selbst bei ihm wird „der Erol“ in einem Moment der Wut zu „der Türke“.
Die Boulevardtheaterherkunft ist in den deklamatorischen Schlagabtäuschen und den reduzierten Settings zwar immer zu spüren, aber Rosenmüller holt filmisch raus, was geht. Die Kamera ist in Bewegung, das Timing sitzt, EXTRAWURST ist flott inszeniert und gut gespielt, und es gibt Running Gags, von der kaputten Ballmaschine bis zum Vereinsmotto. Allerdings hat sich der Regisseur auch für ein vermeintlich filmischeres Ende entschieden, dass der geballten Ladung an Ressentiments, die sich in den Dialogen Raum macht – anders als das Theaterstück - nichts entgegenzusetzen weiß.
- Achtung, ab hier Spoiler –
Das Stück plätschert nach der Abstimmung über den Grill (die die Zuschauer*innen im Saal vornehmen) langsam aus. Torsten, Melanie und Erol haben den Verein verlassen, und auf der Bühne zurück bleibt ein resignierter Vorsitzender, der darüber nachdenkt, ob sich nicht vielleicht doch etwas ändern muss. Im Raum hängen noch die letzten Worte von Erol: „Auch wenn du Anwalt bist, bleibst du immer „der Türke‘. Türken stören einfach. Stören, wenn sie eine andere Religion leben, stören, wenn sie deutsche Frauen treffen, stören, wenn sie eine Meinung haben.“
Auch im Film sagt Erol diesen Satz, aber sein Nachhall geht im darauffolgenden Tumult unter. Auf der Suche nach einem versöhnlicheren Ende hat Rosenmüller sich für eine Variante von „and then everybody gets run over by a bus“ entschieden. Nach einer kathartischen Katastrophe erinnern sich alle, dass sie sich doch eigentlich liebhaben, und es ist Party. Was dabei zurückbleibt, ist der Eindruck, dass man jeden Scheiß sagen und denken kann, und es egal ist – weil alle das insgeheim ohnehin tun, weil es ja offenbar keine Folgen hat, weil es niemanden wirklich verletzt.
Deutschland 2026, 100 min
Sprache: Deutsch
Genre: Komödie
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch: Dietmar Jacobs, Moritz Netenjakob
Kamera: Daniel Gottschalk
Schnitt: Andrea Mertens
Musik: Gerd Baumann
Verleih: STUDIOCANAL
Darsteller: Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardim, Friedrich Mücke, Anja Knauer, Gaby Dohm
FSK: 12
Kinostart: 15.01.2026
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Extrawurst
Deutschland 2026 | Komödie | R: Marcus H. Rosenmüller | FSK: 12
Die Theaterherkunft ist in den deklamatorischen Schlagabtäuschen und den reduzierten Settings zwar immer zu spüren, aber Rosenmüller holt filmisch raus, was geht.
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