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Es ist schwer, ein Gott zu sein

Pessimistisches Meisterwerk

Alexei Germans Verfilmung des Romans ES IST SCHWER EIN GOTT ZU SEIN ist ein pessimistisches Meisterwerk. Don Rumata, ein menschlicher Wissenschaftler, soll auf einem rückständigen Planeten einen Arzt aus dem Kerker befreien. Um ihn herum herrschen Dumpfheit und Gewalt.

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ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN ist ein gewaltiger Brocken. Das 168 Minuten lange Meisterwerk des 2013 verstorbenen russischen Regisseurs Aleksei German ist die Verfilmung eines 1964 veröffentlichten Romans der Brüder Arkadi und Boris Strugazki, von denen auch die Vorlage zu Andrej Tarkowskijs Klassiker STALKER (1979) stammte. Der Film steigt mitten in die Erzählung ein, nur ein knapper Off-Kommentar erklärt die Lage: Wir sind im 22. Jahrhundert, auf einem Planeten, der in der Entwicklung gegenüber der Erde um 800 Jahre zurück ist. Ein Team von Wissenschaftlern ist auf den Planeten geschickt worden, in der falschen Hoffnung, dass hier bald eine Renaissance einsetzen müsste. In die Entwicklung des Planeten direkt eingreifen sollen die Wissenschaftler nicht, aber sanft den Fortschritt fördern. ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN beginnt mit einer Einstellung auf ein Wasserloch, das sich nach einem Schwenk als eine Art altertümlicher Hafen herausstellt, hinter dem sich ein winterliches Dorf wie aus einem Breughel-Gemälde abzeichnet. Dann geht es in die Straßen des Dorfes: ein Hintern scheißt gerade auf die Straße, darunter steht ein Soldat, der sich blöd grinsend über die Fäkalien in seinem Gesicht freut. Er gehört zu den „Grauen“, einer Bewegung, die alle „Schlaumeier“ ums Leben bringt: alle Dichter, Denker, Bücherleser. Einen Dichter wollen die Grauen gerade in der Latrine ertränken. In dieser grausamen Welt, die in Dreck, Matsch und Gewalt erstickt, folgt die Kamera dem Wissenschaftler Don Rumata, der einen Arzt aus den Kerkern von Don Reba befreien soll, dem Anführer der Pogrome. Die Steadycam begleitet Rumata auf Schulterhöhe, immer wieder glotzen stumpfäugige Gesichter in die Kamera. Germans klaustrophobischer Stil macht ES IST SCHWER EIN GOTT ZU SEIN zu einem der pessimistischsten Filme überhaupt. Es gibt keinen Ausweg aus der brutalen Stumpfheit.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Trydno byt bogom
Russland 2013, 168 min
Genre: Science-Fiction
Regie: Aleksei German
Drehbuch: Arkadiy Strugatskiy, Boris Strugatskiy
Kamera: Yuri Klimenko, Vladimir Ilin
Schnitt: Irina Gorokhovskaya
Verleih: Drop-out Cinema/Bildstörung
Darsteller: Yuriy Tsurilo, Leonid Yarmolnik, Ilya Ilinyh, Dmitriy Vladimirov, Laura Lauri
FSK: 16
Kinostart: 03.09.2015

Website
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