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Entertainment

Warten auf Godot in Beige

Ein namenloser Komiker (Gregg Turkington) reist mehr oder weniger ständig durch die Wüste, von einem schlecht besuchten Auftritt zum nächsten. Eine Art Mumblecore-Version von WARTEN AUF GODOT in beige.

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Die Tonlage von ENTERTAINMENT lässt sich schon allein daran ablesen, dass Real-Life-Droopy-Äquivalent John C. Reilly hier den erfolgreichsten und lebensfrohesten Charakter des ganzen Filmes darstellt. Als Cousin des namenlosen Komikers (Gregg Turkington), dessen Roadtrip der Film begleitet, versucht er, seinen Vetter aufzubauen und in seiner Karriere zu unterstützen. „Where is this leading to?“, fragt er ihn. Aber die Antwort kommt nicht. Der Komiker reist mehr oder weniger ständig durch die Wüste, von einem schlecht besuchten Auftritt zum nächsten. Zwischendurch besichtigt er verlassene Westernstädte und Flugzeugfriedhöfe, oder er wandert einfach ziellos durch sein schäbiges Hotel. Manchmal trifft er da auch Leute, aber groß zum Reden kommt man nicht. Nur seiner Tochter spricht er regelmäßig auf den AB. Aber die ruft auch nicht zurück. Um sich auszudrücken geht der Mann in Beige eher auf die Bühne, wo er mit schmieriger Halbglatzenverdeckungsfrisur und mehreren Drinks im Arm schlechte Wortwitze reißt und sein Publikum beleidigt. Sein schrill genäseltes „Whyyyyyy?“ beginnt als nerviger Bühnentick, aber mit der Zeit wird es mehr und mehr zum Hilfeschrei auf seiner Fahrt nach Gottweißwo.
Wo Harold Lloyd aus dem ausdruckslosen Ertragen aller Schicksalsschläge Humor zog, zeigt Regisseur Rick Alverson den absoluten Abgrund, der sich durch die Clownsmaske frisst. Nach den normalen Regeln des Humors sollten die Auftritte von Turkingtons Anti-Komiker (der mit dieser Nummer ganz real und erfolgreich tourt) niemanden amüsieren, aber andererseits kann man wohl auch lachen, um nicht vollends der Verzweiflung zu verfallen. Wie in einer Mumblecore-Version von WARTEN AUF GODOT weiß man nicht, warum man sich diesen Film noch antut, kann dann aber doch nicht gehen. Es kann aber sein, dass man hinterher einen Whisky braucht. Oder zwischendurch.

Christian Klose

Details

USA 2015, 102 min
Genre: Drama
Regie: Rick Alverson
Drehbuch: Rick Alverson, Tim Heidecker, Gregg Turkington
Kamera: Lorenzo Hagerman
Schnitt: Rick Alverson, Michael Taylor
Musik: Robert Donne
Verleih: Drop-Out Cinema
Darsteller: Gregg Turkington, Tye Sheridan, John C. Reilly
FSK: 16
Kinostart: 15.09.2016

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